Reizdarmbeschwerden aufgrund von Intoleranzen und Allergien

Nahrungsmittelintoleranzen und Allergien können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall verursachen

Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen bei Reizdarmsyndrom

Viele Menschen mit Reizdarmsyndrom und Verdauungsbeschwerden haben den Verdacht, ein oder mehrere Nahrungsmittel nicht zu vertragen, wissen aber nicht welche. Zwar lassen sich diverse Tests durchführen, aber auch wenn diese positiv ausfallen, heißt das noch nicht, dass die identifizierten Nahrungsmittel für die Magen- und Darmbeschwerden verantwortlich sind. Nicht jede Allergie oder Intoleranz löst auch Krankheitssymptome aus. 

 

Ich weiß selbst, wie frustrierend es sein kann, die Ernährung einzuschränken und nach einiger Zeit festzustellen, dass sich die Blähungen, Bauchschmerzen oder der Durchfall trotzdem nicht bessern. Weil die Anzahl der verschiedenen Lebensmittel und Stoffe, die Beschwerden verursachen können, groß ist, ist es schwierig genau diejenigen zu finden, die tatsächlich für die Beschwerden verantwortlich sind.

 

Ein Ernährungstagebuch zu führen und ausführlich mit einem Arzt oder Ernährungsexperten zu besprechen kann schon Licht ins Dunkle bringen, denn sie sind darauf geschult, Zusammenhänge zu entdecken, die wir als Laien nicht sehen. Auf Basis des Ernährungsprotokolls oder Tagebuchs lassen sich die in Frage kommenden Lebensmittel punktgenauer testen.  

Nahrungsmittelallergie oder Intoleranz?

Reizdarm und Nahrungsmittelintoleranzen

Nahrungsmittelintoleranzen und –Allergien haben teilweise zwar ähnliche Symptome, werden aber durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst. Wenn eine Allergie vorliegt, bildet das Immunsystem Antikörper, die im Blut messbar sind. Nimmt der Betroffene etwas zu sich, auf dass er allergisch ist, kommt es zu einer allergischen Reaktion. Das können Verdauungsprobleme sein, wie sie Reizdarmbetroffene kennen, aber auch Migräne,  Kreislaufbeschwerden, bis hin zu Reaktionen, die lebensbedrohlich sein können. Dabei macht es keinen Unterschied, ob eine kleine oder große Menge der Nahrung zu sich genommen wurde, der Körper reagiert immer. Richtige Nahrungsmittelallergien sind selten, nur 2-4% der Bevölkerung haben laut der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung eine solche Allergie.

Lebensmittelintoleranzen treten viel häufiger auf als Nahrungsmittelallergien, man geht davon aus dass in Deutschland ca. 15% der Bevölkerung unter Nahrungsmittelintoleranzen leiden. Nahrungsmittel-intoleranzen, häufig als Nahrungsmittelunverträglichkeiten bezeichnet, sind ein Problem, dass in den letzten Jahren immer häufiger als Ursache für verschiedene Symptome mit dem Magen-Darm-Bereich diagnostiziert wird. Nicht jede Person reagiert ähnlich oder gleichstark auf unverträgliche Lebensmittel. Wo manche bereits nach der Aufnahme geringer Mengen des unverträglichen Stoffes starke Reaktionen aufweisen, sind andere Betroffene nur gering beeinträchtigt. 

 

Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung und die stellenweise Rötung von Gesicht und Hals. Allerdings können auch Symptome auftreten, die man auf den ersten Blick als eher alltägliche Beschwerden abtut. Dazu gehören Kopfschmerzen, anhaltende Müdigkeit und der Heißhunger auf Süßigkeiten. Auch pseudo-allergische Reaktionen, wie etwa Atembeschwerden und Herzrasen, können auftreten. Die Symptome werden dadurch verursacht, dass der Körper nicht in der Lage ist, gewisse Nahrungsbestandteile effektiv zu verdauen, weil zum Beispiel ein Enzym oder ein Transportmechanismus im Darm nicht funktionieren. Das Immunsystem spielt im Gegensatz zu Allergien dabei keine Rolle. 

Die am weitesten verbreiteten Intoleranzen betreffen Laktose, Fruktose und Histamin. Unverträglichkeiten von Fruktose oder Laktose lassen sich anhand eines Wasserstoff-Methan-Atemtests (H2 Atemtest) nachweisen, während eine Histaminintoleranz schwerer nachweisbar ist, in der Regel über eine Auslassdiät. 


Lesetipp: Lieber Herr Crohn

"Wir sind alle unterschiedlich, Crohnis und Gesunde." Toller Blog, mit witzigen Illustrationen und Texten, die Mut machen, ob bei anhaltenden Magen- und Darmbeschwerden oder Morbus Crohn mit einem Blogpost zu Unverträglichkeiten und Allergien. 



Die häufigsten Intoleranzen bei Reizdarmsyndrom

  • Laktoseintoleranz: Hier besteht eine körperliche Reaktion auf den in Milchprodukten enthaltenen Milchzucker. Es wird geschätzt, dass 15% der Europäer Laktoseintoleranz haben. Die Unverträglichkeit entwickelt sich meist im frühen Erwachsenenalter.
  • Fructoseintoleranz: Fructose oder Fruchtzucker ist in vielen Lebensmitteln enthalten. Nicht nur in Obst und Gemüse, auch in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln. wo es als Süßungsmittel eingesetzt wird. Es wird hierbei zwischen der klassischen Intoleranz unterschieden, die mit einem erblichen Mangel bestimmter Enzyme einhergeht oder der erworbenen Intoleranz, die auch als Fructosemalabsorption bezeichnet wird. Bei letzterem ist oft eine verminderte Aufnahmefähigkeit der Fructose Grund für Beschwerden mit der Verdauung. 
  • Histaminintoleranz: Histamine und ähnliche Stoffe wie Amine oder Phenylalanin, sind meist in Nahrungsmitteln enthalten, die bakteriell fermentiert wurden. Dazu gehören etwa geräuchertes Fleisch, Fische und Meeresfrüchte, Bier, Rotwein und Schokolade. Die Histamine können, bei einer vorliegenden Intoleranz, nicht ausreichend vom Körper abgebaut werden und führen dadurch zu Problemen.
  • Fodmaps: Eigentlich gehören fodmaps nicht in diese Liste. Weil aber viele Menschen mit Reizdarmsyndrom sensibel auf fodmaps reagieren und von der low-fodmap Diät profitieren, möchte ich sie an dieser Stelle erwähnen und auf die Infoseite zu fodmaps verweisen. Fodmaps ist ein englisches Kurzwort für "fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols".

    Das sind eine Gruppe von Kohlenhydraten und mehrkettigen Alkoholen, die in viele Nahrungsmitteln enthalten sind und im Dünndarm nur schlecht aufgenommen werden. Für Menschen, die unter keinerlei Verdauungsstörungen leiden, stellen fodmaps keine große Herausforderung dar, für Menschen mit Reizdarmsyndrom häufig schon. 

Reizdarm und Allergien

Für all diese Bereiche von Lebensmittelunver-träglichkeiten gilt der Grundsatz, dass bei jeder Person eine andere Toleranz- und Verträglich-keitsgrenze vorliegt. Entscheidend für diese Grenze können auch Vorerkrankungen sein. Je nachdem wie dein Körper mit den jeweiligen Stoffen umgeht, kannst du vielleicht trotz einer vorliegenden Intoleranz kleinere Mengen zu dir nehmen, ohne dass du unter den Symptomen zu leiden hast (die Menge ist übrigens ein wichtiges Prinzip der low-fodmap Diät). Die Höhe der verträglichen Menge ist immer unterschiedlich. Du solltest daher individuell austesten, was du deinem Körper zuführen kannst und welche Stoffe möglicherweise absolut tabu sind. 

Wenn du mit den klassischen Symptomen von Unverträglichkeiten zu kämpfen hast, kannst du durch eine Reihe von Tests schnell Gewissheit erlangen. Die meisten Hausarztpraxen führen dazu auf Wunsch entweder selbst die Überprüfung durch oder verweisen dich an einen Spezialisten. Bei den Tests wird in durch die kontrollierte Zuführung der möglicherweise unverträglichen Stoffe eine Reaktion provoziert, und anhand der Reaktion oder ausbleibenden Reaktion eine Diagnose erstellt.

Du kannst Laktose- und Fructoseintoleranz selbst testen, indem du für mehrere Wochen auf Lebensmittel verzichtest, in denen Laktose oder Fructose enthalten sind. Teste nur eines von beidem, sonst weißt du anschließend nicht, was von beidem für deine Symptome verantwortlich ist. Ich habe mich auf diese Art und Weise negativ auf Laktoseintoleranz gestest und positiv auf Fructoseintoleranz. Meine Ärztin hat mich dabei beraten, und das würde ich dir auch empfehlen. Sprich auf jeden Fall mit einem Arzt oder Ernährungsberater über deine Beschwerden und die jeweiligen Tests. 

 

Die beste Behandlung von Intoleranzen ist und bleibt der Verzicht oder die massiv beschränkte Aufnahme von Lebensmitteln, welche die problematischen Stoffe beinhalten. Für viele Produkte gibt es eine Reihe von speziell gekennzeichneten Ausweichmöglichkeiten, die ohne bestimmte Zutaten hergestellt wurden. Dazu gehört etwa die breite Palette an laktose- oder glutenfreien Produkten. 


Diese Artikel könnten dich auch interessieren

low-fodmap Diät Reizdarmsyndrom

Fodmaps reduzieren bei Reizdarmsyndrom

75% der Reizdarmbetroffenen hilft die low-fodmap Diät, bei der die Aufnahme von vergärbaren kurzkettige Kohlenhydrate und Zuckeralkoholen reduziert wird. Zur low-fodmap Diät

Durch ein Ernährungstagebuch Unverträglichkeiten erkennen

Ein sorgfältig geführtes Ernährungstagebuch macht es deinem Arzt oder Ernährungsexperten wesentlich leichter, deine Intoleranzen zu erkennen.



Nahrungsmittelallergien

Zöliakie ist eine Mischform aus Allergie gegen Gluten und Autoimmunerkrankung und kann mittels eines Bluttests festgestellt werden. Die Methode gilt laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft jedoch als nicht genau, weshalb häufig eine Magenspiegelung vorgenommen wird, bei der eine oder mehrere kleine Gewebeproben entnommen und auf Schädigung der Darmschleimhaut untersucht werden, wie sie typischerweise durch eine glutenhaltige Nahrung bei Zöliakie verursacht wird.  

Laut dem Dr. Schär Institut sind in Deutschland nur 0,2% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen. 

 

Wie auch bei den Intoleranzen, ist die Heftigkeit von Symptomen oder die Reaktionen auf unverträgliche Lebensmittel, je nach Person und Menge, sehr unterschiedlich. Zu diesen Symptomen gehört oft Haut die juckt oder mit Ausschlägen übersät ist, genauso wie weiträumige oder punktuelle Schwellungen im Gesicht, an den Lippen oder in der Mundhöhle. Die Vorstufe davon ist oftmals ein kitzeln oder kribbeln in diesen Bereichen. Heftigere Reaktionen sind ausgelöstes Asthma oder Atemnot, durch das Zuschwellen der Atemwege. Die schlimmste Form ist der anaphylaktische Schock, der lebensbedrohlich ist und sofort ärztlich behandelt werden muss. Aber auch die klassischen Symptome wie Durchfall, Krämpfe oder Erbrechen treten nicht selten bei einer allergischen Reaktion auf.

Eine Einteilung in verschiedene Arten von Allergien ist kaum möglich, da im Grunde jeder Stoff geeignet ist, um von deinem Immunsystem als schädlich eingestuft zu werden und damit eine allergische Reaktion auslösen könnte. Bei Kindern treten diese Allergien häufiger auf als bei Erwachsenen, haben aber die Chance im Laufe der Zeit abzuklingen und komplett zu verschwinden. 

 

Es gibt bestimmte Nahrungsmittel, die prozentual gesehen häufiger allergische Reaktionen auslösen können, als andere Stoffe. Zu diesen gehören, vor allem bei Kindern, etwa Milch und Milchprodukte, Produkte aus Weizen und Soja oder Eier. Erwachsene reagieren dagegen eher auf bestimmte Sorten von Nüssen, Obst und Gemüse, Gewürze oder Fische und Meeresfrüchte. Beobachtet wurden häufig auch allergologische Kreuzreaktionen. Damit ist gemeint, dass wenn bei dir eine Allergie gegen einen bestimmten Stoff besteht, die Chance sehr hoch ist, dass du auch gegen andere, verwandte Stoffe allergisch bist. Der Grund dafür ist, dass die gebildeten Antikörper gegen einen Stoff auch auf ähnliche Substanzen reagieren und damit allergische Reaktionen auslösen. Für Nahrungsmittelallergien kann das bedeuten, dass Personen die zum Beispiel gegen bestimmte Pollen allergisch sind, auch Allergien gegen verwandte Nahrungsmittel entwickeln. Als Beispiel ist die Chance von jemandem, der keine Birkenpollen verträgt, auch auf andere Pollen wie Eiche und Hasel zu reagieren sehr hoch. Die Kreuzreaktion kann nun auch eine Allergie auslösen, wenn verwandte Nahrungsmittel wie Haselnüsse aufgenommen werden. Ausgenommen sind hier lediglich Reaktionen auf Getreidepollen, die normalerweise nicht zu Reaktionen auf zum Beispiel Getreideprodukte führen.

 

Die beste Methode um den allergischen Reaktionen auf  bestimmte Lebensmittel zu entgehen, ist genau wie bei den Intoleranzen, die Identifikation und Vermeidung der betreffenden Stoffe und Produkte. Sind daher bei dir sämtliche Nahrungsmittelintoleranzen als Ursache für Beschwerden ausgeschlossen worden oder falls bei dir bereits allergische Vorerkrankungen bestehen, empfiehlt sich die professionelle Beratung und Betreuung durch einen Allergologen. 

Um festzustellen, ob bei dir eine allergische Unverträglichkeit vorliegt, wird der Allergologe zuerst andere Möglichkeiten, durch die oben beschriebenen Intoleranztests, ausschließen, bevor mit Hauttests und Blutuntersuchungen deine Reaktion auf potentielle Allergieauslöser untersucht wird. Meist wird im Anschluss wieder eine wie oben beschriebene Diät durchgeführt, bei der du sämtliche möglicherweise schädlichen Stoffe bei der Nahrungsaufnahme zeitweise auslassen musst. Um bei Zuführung allergieauslösender Produkte, durch Provokation, die Symptome direkt erkennen zu können. Im Gegensatz zur Intoleranz, solltest du so einen Test, bei möglichen schlimmen allergischen Reaktionen, allerdings niemals privat durchführen, da die körperlichen Reaktionen kaum einzuschätzen sind und gefährlich sein können. 

 

Eine Heilung von Nahrungsmittelallergien ist medizinisch nicht möglich. Die teilweise gesundheitsgefährdenden Symptome, vor allem der anaphylaktische Schock, können allerdings gelindert und behandelt werden. Dazu dienen spezielle Antihistaminika, Cortison oder die Injektion von Adrenalin. Wenn du unter starken Allergien leidest, solltest du auf jeden Fall eines dieser Mittel in einem selbstnutzbaren Injektionsgerät bei dir führen, um auf schlimme allergische Reaktionen vorbereitet zu sein.

Nahrungsmittelsensibilitäten

Sensibilität für Weizen und Gluten

 Selbst wenn keine Allergie gegen Weizen oder Zöliakie festgestellt werden kann, ist es möglich, dass Weizen oder Gluten eine Rolle spielen bei den Verdauungsbeschwerden. Vor allen Dingen bei Reizdarmpatienten ist die Weizensensitivität weit verbreitet. Sie lässt sich nicht messen, sondern nur anhand einer Auslassdiät feststellen.  

Alternative Tests auf Nahrungsmittelallergien und Intoleranzen

Kinesiologie ist eine Methode, die anhand von Muskeltests Blockaden und Stressreaktionen aufdeckt. Auch Allergien können identifiziert werden, indem der Therapeut dem Betroffenen die unter Verdacht stehenden Lebensmittel auf den Körper legt. Der Therapeut drückt dann gegen den Arm oder das Bein des Betroffenen, und wenn der Widerstand deutlich geringer ist als zuvor, beziehungsweise der Therapeut den Widerstand überwindet, gilt das Allergen als identifiziert. 

 

Eine weitere Methode ist Bioresonanz. Mithilfe eines elektronischen Gerätes werden über Elektroden Schwingungen des Körpers erfasst. Krankheiten und Fehlfunktionen sollen anhand spezifischer Schwingungen erkennbar sein und auf diese Art und Weise krankmachende Schwingungen identifiziert werden. Das gilt auch für Allergien und Intoleranzen. Krankmachende Schwingungen sollen neutralisiert und der Körper geheilt werden.