Reizdarmsyndrom - mögliche Ursachen

Ursache für Reizdarm

Was ist die Ursache für Reizdarmsyndrom?

Als ich vor 20 Jahren das erste Mal die Diagnose Reizdarmsyndrom erhielt, gingen Ärzte davon aus, dass es sich dabei um eine reine Kopfsache handle. Denn es konnte keine organische Ursache für meine Magenkrämpfe, Durchfall und Blähungen gefunden werden. Mittlerweile ist die Forschung weiter, und es zeigt sich immer mehr, dass es DIE EINE Ursache für Reizdarmsyndrom nicht gibt, denn Reizdarmsyndrom ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, für die keine organische Ursache gefunden wurde. 

 

Ursachen für Reizdarm können Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder funktionelle oder psychosomatische Störungen sein. Die Ursache für deine Beschwerden kann sogar eine Mischung aus allen dreien sein. Ärzte und Reizdarm-Experten können dir dabei helfen herauszufinden, was die Ursache für deinen Reizdarm ist und sie zu beheben. 

 

Unten findest du Informationen zu drei möglichen Ursachen von Reizdarms in Hinblick auf Darmbakterien und den Zustand deiner Darmwand, die sich anhand von Tests abklären lassen.

Reizdarmsyndrom aufgrund einer Fehlbesiedlung

Reizdarm-Beschwerden wie starke Blähungen können zum Beispiel darauf zurückzuführen sein, dass sich zu viele gasbildende Bakterien im Darm ansiedeln, was als bakterielle Fehlbesiedlung bezeichnet wird. Bei manchen Betroffenen sind diese Bakterien im Dünndarm zu finden, wo sie eigentlich nicht hingehören. Eine Dünndarmfehlbesiedlung wird auch kurz als "Sibo" genannt, eine Abkürzung der englischen Bezeichnung "small intestinal bacterial overgrowth", mit dem es sich sehr gut googlen lässt.

Als ich mich mit "sibo" beschäftigt habe, war ich mir sicher, dass dies die Ursache für meinen Reizdarm sein müsse. Die Beschreibung der Symptome passte einfach genau auf meine Reizdarm-Symptome. Der Test war dann jedoch negativ. Reine Vermutungen nutzen nichts, erst ein Test kann "sibo" nachweisen - oder eben auch die Abwesenheit von "sibo".

Eine durchlässige Darmwand (aka leaky gut) als Ursache für Reizdarmsyndrom

Wenn die Darmschleimhaut durchlässig wird, verringert sich ihre Schutzfunktion. Das wird auch als "leaky gut" bezeichnet, was für einen durchlässigen Darm oder auch geschädigte Darmbarriere steht. 

Genau genommen ist diese Darmbarriere immer durchlässig, um Nährstoffe und Flüssigkeit aufnehmen zu können. Die Durchlässigkeit nimmt zu, wenn die Darmschleimhaut durch Medikamente (der Klassiker sind Antibiotika und Protonenpumpenhemmer, sowie häufig eingenommene Schmerzmittel) oder aufgrund von Nahrungsmittelintoleranzen geschädigt ist. Auch bestimmte Nahrungsbestandteile wie Lektine (siehe hier), künstliche Nahrungszusätze wie Farbstoffe und Geschmacksverstärker stehen im Verdacht, die Durchlässigkeit des Darm zu erhöhen und die Verbindung zwischen den Darmschleimhaut-Zellen aufzulösen. Die meisten Menschen können die so entstandenen Löcher schnell wieder reparieren, bei anderen dauert es länger, beziehungsweise die Darmschleimhaut kann sich gar nicht erholen. 

 

Das kann zur Folge haben, dass unverdaute Nahrungsbestandteile, Krankheitserreger und Allergene in die Darmwand eindringen. Das wiederum ruft das Immunsystem auf den Plan, und damit können Entzündungen entstehen. Symptome eines "leaky gut" sind Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, aber auch starke Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie Muskelschmerzen. Die Liste der Symptome ist lang, und weil sie bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausfallen können, ist es sehr schwer, von den Symptomen auf die Ursache zu schließen. 

 

Reizdarmsyndrom leaky gut durchlässisge Darmwand Gluten

Leaky Gut ist keine Selbstdiagnose. Bei Verdacht auf eine geschädigte Darmbarriere verordnet ein Arzt oder ein Spezialist eine Laboruntersuchung des Stuhls und des Bluts. Anhand der Stuhlprobe lässt sich die Darmflora daraufhin untersuchen, ob genügend "gesunde" Darmkeime vorhanden sind, sowie die Art und Anzahl bestimmter Bakterien und Pilze analysieren. Ein weiterer Hinweis auf leaky gut ist ein erhöhter Zonulin-Wert im Blut. Das war bei mir der Fall. Im ersten Augenblick habe ich mich fast ein wenig gefreut, endlich war der Übeltäter gefunden, eine böse durchlässige Darmwand! Schwieriger als der Nachweis von "leaky gut" ist jedoch herauszufinden, wodurch die Darmwand durchlässig geworden ist.

Die Darmflora und Schleimhäute können sich regenerieren. Die Einnahme von Antibiotika, sofern sie nicht zwingend notwendig ist, sollte vermieden werden. Auf jeden Fall müssen chronische Darmentzündungen und Parasiten ausgeschlossen werden, sowie Lebensmittelunverträglichkeiten, die sowohl Ursache als auch Folge einer geschädigten Darmbarriere sein können. Ich habe die Die Paläo-Therapie gemacht, ein gezielter Ansatz zur Heilung einer durchlässigen Darmwand, da sie Nahrungsbestandteile systematisch ausschließt, welche die Verbindung von Darmschleimhautzellen lockern.

In jedem Fall fordert die Therapie viel Disziplin und einen langen Atem, da es in der Regel mehrere Monate dauert, die Darmwand zu heilen. Begleitende Maßnahmen wie die Einnahme Prä- und Probiotika (dazu unbedingt von einem Experten beraten lassen, denn es gibt sehr viele verschiedene Arten), sowie Stress-Reduktion. Nicht entmutigen lassen! Erst testen lassen, dann therapieren.

Candida - Reizdarmbeschwerden durch Pilzinfektionen

Dass Pilze, kleine Mikroorganismen, unseren Magen und Darm bevölkern ist ganz normal. Zum Problem wird häufig der Darmpilz Candida albicans. Auch dieser gehört zur Darmflora, und Beschwerden verursacht er in der Regel nur dann, wenn er sich stark ausbreitet. Gerne taucht dieser Hefepilz nach einer Antibiotika-Behandlung auf, oder in einer sehr stressigen Phase, also dann, wenn sich die Darmflora nicht so richtig gegen seine Verbreitung wehren kann. Isst du dann auch noch viel Zucker oder Kohlenhydrate (die in Zucker umgewandelt werden), bietest du dem Hefepilz den idealen Nährboden. Breitet der Pilz sich aus, sind Verdauungsprobleme wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder Magenschmerzen die Folge. Auch eine Schwächung des Immunsystems, Abgeschlagenheit und Kopf- und Gliederschmerzen können im Zusammenhang mit einer Überwucherung durch den Hefepilz stehen. 

 

Die Behandlung besteht in den meisten Fällen aus zwei Komponenten: Der Einnahme eines Antimykotika, also Antipilzmittel, und einer strengen Diät. Die Diät basiert weitgehend drauf, Kohlenhydrate und zuckerhaltige Nahrung zu vermeiden und den Hefepilz so regelrecht auszuhungern. Bevor du in Eigenregie loslegst, sprich mit deinem Arzt darüber und lass anhand einer Blut- oder Stuhlprobe untersuchen, ob der Hefepilz sich bei dir tatsächlich ausgebreitet hat.

 

Mir hat ein Arzt die Candida-Diät verordnet, ohne einen entsprechenden Test zu machen, einfach nur auf Angabe der Symptome hin (die ja bereits für alle drei hier gelisteten möglichen Ursachen die selben sind). Also sehr unspezifisch. Ich habe mir fest vorgenommen nicht zu Jammern (gejammert wird schließlich nicht), aber ich möchte dirdringend ans Herz legen, erst einen Test machen zu lassen, bevor du dich auf Diät setzen lässt. Denn die vierwöchige Candida Diät war überhaupt kein Spaß, und letztendlich umsonst, da sie bei nicht die Ursache meines Reizdarms war. 

 

Wenn du mehr über die Candida Diät lesen möchtest, findet auf The Candida Diet (Englisch)  oder ReizdarmOne (Deutsch) genauere Informationen.   

Übrigens, es gibt über 20 Arten von Candida-Hefen, darunter ist Candida albicans die Häufigste. Auf Hefepilzinfektion.com finden sich mehr Infos zu den verschiedenen Arten von Pilzinfektionen.