Lebensmittelunverträglichkeiten bei Reizdarm

Gastbeitrag von Julia Schultz - PCOS Expertin

Lebensmittelunverträglichkeiten

Hey, ich bin Julia! 

Ich bin PCOS Expertin, Hormon Coach & Podcasterin. Ich unterstütze Frauen dabei, ihre Hormone natürlich – ohne Pille – mit der richtigen Ernährung und Veränderungen des Lebensstils wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

Mehr dazu erfährst du auf meiner Webseite

 

Lebensmittelunverträglichkeiten kommen häufiger vor als wir denken, und auch bei Reizdarm scheinen sie eine wesentliche Rolle zu spielen.

 

Für gewöhnlich arbeite ich mit Frauen mit Hormonstörungen (im Speziellen die Hormonstörung Polyzystisches Ovarialsyndrom, kurz PCOS), aber in der Praxis zeigt sich, dass bei vielen dieser Frauen Verdauungsbeschwerden keine Seltenheit sind. Einige haben sogar – neben der Hormonstörung – einen Reizdarm diagnostiziert bekommen.

 

Ich selbst habe zwar kein diagnostiziertes Reizdarmsyndrom, aber auch ich erinnere mich, dass ich als Kind öfter Bauchschmerzen hatte, schon immer unter Verstopfungen litt und bei Kantinenessen massive Verdauungsprobleme bekomme.

 

Zusätzlich litt ich zeitweise unter Histaminabbaustörungen, was sich nicht nur im Darm, sondern auch im Nervensystem und an meiner Haut bemerkbar machte. 

Was sind Lebensmittelunverträglichkeiten?

Die meisten Leute kennen Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen, wie die Laktoseintoleranz. Sie sind in der Schulmedizin anerkannt und werden durch Blutanalysen, Hauttests (Pricktest) oder Atemtests diagnostiziert.

 

Doch unterscheiden sie sich maßgeblich von den Lebensmittelunverträglichkeiten, von welchen ich hier spreche. Doch schauen wir uns erst einmal an, was Intoleranzen und Allergien genau sind: 

Nahrungsmittelintoleranzen

Bei einer Intoleranz kommt es häufig zu einer Störung des Verdauungsstoffwechsels für einen bestimmten Stoff in einem Lebensmittel, wobei durchaus eine Störung oder das Nichtvorhandensein eines Enzyms die Ursache sein kann.

  • So ist bei einer Laktoseintoleranz das Enzym Laktase gestört.
  • Bei einer Histaminintoleranz ist meist die Funktion des im Darm enthaltende Enzyms DAO gemindert.
  • Auch bei einer angeborenen Fruktoseintoleranz liegt häufig ein Enzymdefekt vor (nicht zu verwechseln mit einer Fruktosemalabsorption).

Liegt eine Intoleranz vor, treten die Symptome (z.B. Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen) meist recht schnell nach dem Verzehr des problematischen Lebensmittels ein.

Lebensmittelallergien

Bei einer Allergie gegenüber bestimmten Lebensmitteln treten die Symptome meist ebenfalls recht schnell, aber vor allem eindeutig auf.

 

Die Beschwerden reichen von Übelkeit, über Erbrechen bis hin zu Durchfall, Hautausschlägen und Juckreiz. Allergien werden für gewöhnlich mit einem IgE-Antikörpertest diagnostiziert. Dieser ist von der Schulmedizin anerkannt und wird beim Arzt durchgeführt. Lebensmittelallergien können unter Umständen so stark sein, dass sie lebensbedrohlich werden können.

 

Mehr zu den von der Schulmedizin anerkannten Lebensmittelallergien und Intoleranzen kannst Du unter Intoleranzen und Allergien nachlesen. 

 

Oft führen diese Tests aber zu keinem Ergebnis, sprich sie sind ohne Befund. 


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Was der Darm mit unseren Hormonen zu tun hat mit Dr. Sarah Schwitalla

Fast 100% der Frauen mit Hormon-störungen haben eine gestörte Darmflora. Aus diesem Grund habe ich Wissenschaftlerin und Gründerin des virtuellen Zentrums für integrative Darmgesundheit Dr. Sarah Schwitalla in den Podcast eingeladen, um über den Zusammenhang zwischen unseren Hormonen & den Darm zu sprechen.



Lebensmittel-Reaktionstest als letzter Ausweg

Ich erinnere mich an eine Kundin mit massiven Reizdarm. Sie war verzweifelt, litt jeden Tag unter Bauchkrämpfen und Durchfall. Alle Tests bezüglich Lebensmittelallergien, Intoleranzen und sogar eine Darmspiegelung und andere Untersuchungen beim Gastroenterologen (Facharzt für die Verdauungsorgane) waren ohne Befund.

 

Man schob sie in die psychosomatische Ecke. (Ohne Frage spielen psychische Faktoren bei Reizdarm oft eine große Rolle.) Wir telefonierten. Sie weinte und ich bot ihr meine Hilfe an. Weil das Reizdarm-Syndrom häufig in Verbindung mit einem sogenannten "leaky gut" steht (mehr dazu gleich) und ich in meinem Coaching sehr gute Erfolge mit einem Lebensmittel-Reaktionstest erzielte, riet ich ihr dazu genau diesen Test zu machen. 

 

Ein Lebensmittel-Reaktionstest, den man oft selbst bezahlen muss, weil er in der Schulmedizin keine Anwendung findet, kann genau diese Lücke schließen. Die Lücke zwischen dem Gefühl, dass es bestimmte Lebensmittel gibt, die nicht vertragen werden und dem „Ohne Befund“ des Arztes.   

Lebensmittelunverträglichkeiten

Lebensmittelunverträglichkeiten unterscheiden sich in ihrer Symptomatik von Intoleranzen und Allergien. Die Symptome müssen nicht immer sofort auftreten und sich auch nicht nur auf den Verdauungstrakt beziehen.

 

Die Immunreaktion tritt meist erst Stunden oder sogar Tage später auf. So kam es beispielsweise bei meiner Kundin häufig erst am späten Nachmittag zu den starken Bauchschmerzen – egal ob es ein entspannter Tag am Wochenende oder ein Arbeitstag war.

 

Die verzögerte Reaktion macht es umso schwieriger, die Beschwerden einem bestimmten Lebensmittel zuzuordnen. Es könnte theoretisch alles sein, was man in den letzten Stunden oder am Tag davor gegessen hat.

 

Hinzu kommt, dass es meist nicht nur ein Lebensmittel ist, auf welches wir reagieren, sondern mehrere. Das macht die Bestimmung im Selbsttest noch schwieriger.  

 

Auch sind die Beschwerden oftmals diffus und nicht so eindeutig, wie bei einer Lebensmittelallergie, wo sie häufig mit ganz bestimmten Symptomen einherkommen.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten müssen sich nicht immer eindeutig im Verdauungstrakt wiederspiegeln. Beim Reizdarm kann man die Symptome im Darm lokalisieren. Bei anderen Menschen machen sie sich durch Hauterkrankungen, Krankheitsgefühle, Gelenk- oder Kopfschmerzen bemerkbar.  

Wie kann man Nahrungsmittelunverträglichkeiten erkennen?

Lebensmittelunverträglichkeiten kann man mit Hilfe einer Eliminationsdiät selbst aufdecken. Dafür werden ein oder mehrere mögliche Problemlebensmittel für einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen aus dem Ernährungsplan gestrichen. Typische Problemlebensmittel sind:

  • Gluten (manchmal auch nur Weizen)
  • Milchprodukte
  • Eier
  • Nüsse
  • Erdnüsse
  • Soja

Es sind aber noch viele andere Lebensmittel denkbar. Die oben genannten Beispiele sind jedoch häufige Auslöser von Unverträglichkeiten.

 

Nachdem ein Lebensmittel für mindestens 30 Tage weggelassen wurde, stellt man eventuell fest, dass es einem schon besser geht. Anschließend beginnt man eines der weggelassenen Lebensmittel wieder einzuführen und dies in einem Ernährungsprotokoll festzuhalten. 

 

Wichtig dabei ist, dass man nicht mehrere Lebensmittel auf einmal einführt, sondern es gezielt und langsam angeht. Tipps zum Durchführen einer Eliminationsdiät findest du hier. 

Wenn mehrere Lebensmittel nicht vertragen werden, ist der Selbsttest schwierig

Nun ist es in der Praxis oft so, dass mehrere Lebensmittel nicht vertragen werden. Bei meiner Kundin war es so, dass das Weglassen von einem Problemnahrungsmittel (hier Gluten) keine wesentliche Besserung verschaffte, da andere Problemnahrungsmittel weiterhin verzehrt wurden. 

 

Ein Unverträglichkeitentest, welcher die IgG-Antikörper untersucht, kann hier Abhilfe schaffen und korreliert häufig sogar mit den Ergebnissen im Selbsttest. Hierbei unterscheiden sich die IgG-Antikörper von den im Allergietest untersuchten IgE-Antikörpern (siehe oben). Einen solchen Test (auf IgG- sowie IgE-Antikörper) bieten Anbieter wie Cerascreen oder Verisana für zu Hause an. Die Kosten belaufen sich dabei auf ca. 90 €.

 

Bei meiner Reizdarm-Kundin zeigte der Test mehrere Lebensmittel, welche nicht vertragen wurden, u.a. Gluten, Kasein (in Milchprodukten), Hafer, Ei, Mandeln und noch andere.

 

Das erschien erstmal überwältigend. Aber als wir im Coaching Alternativen zu diesen Lebensmitteln besprachen, stellte sich schnell heraus, dass es durchaus möglich ist, die Ernährung ohne große Einbußen umzustellen.

 

Als sie anfing diese Nahrungsmittel gegen Alternativen auszutauschen, ging es ihr schlagartig besser. Wir telefonierten vier Wochen später und sie war wie ausgewechselt. Ihre Bauchschmerzen waren komplett verschwunden, ihr Stuhlgang normal. Von Reizdarm keine Spur! 

Wie entstehen Lebensmittelunverträglichkeiten?

Mit dem Weglassen ist es nicht getan – Leaky Gut als Ursache

Unverträglichkeiten stehen in enger Verbindung mit "Leaky Gut" – einem durchlässigen Darm. Hierbei ist der Darm so geschädigt, dass die Zellen in der Darmschleimwand Lücken aufweisen.

 

Für gewöhnlich sind die Schleimwand-Zellen eng gepackt und gut „verklebt“ (Tight Junctions). Alle Stoffe, die vom Darm in den Blutkreislauf gelangen sollen, müssen durch die Zellen der Darmwand hindurch.

 

Hält der „Kleber“ (Tight Junctions) die Zellen nicht mehr zusammen, kommt es zu Lücken, durch welche größere Nahrungspartikel unverdaut in den Blutkreislauf gelangen können.

 

Hier wird unser Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzt, denn es befinden sich nun Partikel im Blut, die es so nicht kennt und als Feind ansieht. Eine Immunreaktion wird ausgelöst.

 

Damit es sich beim nächsten Mal gut an diesen Feind erinnern und schneller agieren kann, werden Antikörper (IgG) gebildet. Sie dienen als Gedächtnis des Immunsystems. 

 

Da im Darm ein großer Teil des Immunsystems sitzt, kann beim Essen eines Nahrungsmittels, wogegen der Körper Antikörper gebildet hat, schnell eine Immunreaktion stattfinden. Es kommt zum Reizdarm.

Lebensmittelunverträglichkeit - Der Darm muss geheilt werden

Das Weglassen dieser Lebensmittel sollte jedoch nicht die endgültige Maßnahme bei Reizdarm sein. Viel wichtiger ist es, die Ursache dafür zu bekämpfen. 

 

Lebensmittelunverträglichkeiten entstehen vorrangig durch "Leaky Gut". Der Darm sollte daher unbedingt geheilt werden, denn im schlimmsten Fall können noch weitere Unverträglichkeiten gegenüber anderen Lebensmitteln auftreten, solange die Darmwand durchlässig ist. 

  1. Es gilt: Wir entwickeln eher Unverträglichkeiten gegenüber Lebensmitteln, je öfter wir sie essen.
  2. Die gute Nachricht: Heilen wir den Darm und verzichten lange genug auf die Lebensmittel, auf welche wir reagieren, scheint unser Körper seine Überreaktionen auf diese auch wieder zu vergessen. Auf Dauer können Lebensmittel – zumindest im geringen Maße – wieder vertragen werden. 

Am Ende möchte ich noch darauf hinweisen, dass ein Reizdarm nicht immer von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgelöst wird. Das liegt daran, dass es viele Gründe für einen Reizdarm geben kann.

 

Schließlich stellt der Arzt meist die Diagnose Reizdarm, wenn es keine organischen Gründe für die Beschwerden gibt. Daher können die Ursachen vielfältig sein, besonders weil unser Darm mit so vielen Mechanismen im Körper verknüpft ist.

 

Bei massiven Verdauungsproblemen könnte der Test auf Lebensmittelunverträglichkeiten allerdings ein „Lebensretter“ sein.

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