Die Darmflora - unser Darm-Mikrobiom

Das Thema "Darmflora" ist unglaublich komplex. Ich habe mich in den letzten Jahren viel damit beschäftigt, was mir geholfen hat den Ursachen für meine Darmprobleme auf den Grund zu gehen!  

Nie war das Thema "Darmflora" für mich verständlicher und greifbarer als mit myBioma. Ich hatte die Chance, der Mit-Gründerin der myBioma GmbH, Dr. Barbara Sladek, ein paar Fragen zu stellen. Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen dieses Interviews!

Britta: Barbara, du bist Expertin in Sachen Darm-Mikrobiom, das auch als "Darmflora" bezeichnet wird. Kannst du kurz zusammenfassen, was das Darm-Mikrobiom eigentlich genau ist?

Barbara: Das Darm-Mikrobiom ist die Ansammlung der Billionen Mikroorganismen, die in und auf deinem Körper leben. Es besteht vor allem aus Bakterien, enthält aber auch Pilze, Viren und Urbakterien. Man nimmt an, dass wir alleine im Darm rund 2-3 kg Bakterien haben. Wenn du das hochrechnest sind das über 30 Billionen Bakterien aus über 1000 Bakterienarten, die in uns leben - das sind mehr Bakterien als wir körpereigene Zelle haben. 

 

Britta: Wann macht es Sinn, sich genauer mit dem Thema Darmflora zu beschäftigen?

Barbara: Eine Darm-Mikrobiom Analyse ist eine Momentaufnahme und kann dir daher viel über den aktuellen Status deiner Darmgesundheit und dem allgemeinen Wohlbefinden sagen. 

 

Eine Analyse des Darm-Mikrobioms, wenn man z.B. Beschwerden hat, ist auf jeden Fall sinnvoll. Aber auch wenn man keine Beschwerden hat, kann dir eine fundierte Darm-Mikrobiom Analyse helfen deine Darmgesundheit zu erkunden. Das Darm-Mikrobiom verändert sich alle paar Monate, daher ist ein Folgetest ratsam um Veränderungen auch wirklich zu identifizieren.

 

Britta: Wie sieht eine gesunde Darmflora aus?

Barbara: Das Mikrobiom eines Individuums als gesund zu beurteilen, ist gar nicht so einfach. Das liegt daran, dass es sich um ein überaus komplexes Zusammenspiel unzähliger Bakterien handelt. Es gibt bestimmte Bakterien, die in Studien mit Gesundheit assoziiert wurden und wir können diese Erkenntnisse nutzen, um das Mikrobiom zu analysieren. Allerdings beweist das noch lange nicht, dass immer kausale Zusammenhänge vorliegen.

 

Ein Bespiel: Faecalibacterium prausnitzii kommt bei Normalgewichtigen häufiger als bei Übergewichtigen vor, allerdings macht einen dieses Bakterium nicht automatisch schlank. Außerdem gilt: Einzelne Bakteriensorten machen durch ihr Vorkommen ein Mikrobiom nicht gesund!

 

Viel mehr kommt es darauf an das Mikrobiom in seiner Gesamtheit zu sehen. Diese riesigen Mengen an unterschiedlichen Mikroorganismen beeinflussen sich gegenseitig und wirken zusammen wie ein Ökosystem. Um also ein gesundes Mikrobiom zu erkennen, muss man sie alle zusammen ansehen. 

 

Besonders wichtig für eine ausgewogene Darmflora ist ein großer Reichtum an den unterschiedlichsten Bakterienarten. Diese Artenvielfalt nennt man auch Diversität des Mikrobioms. Davon ist in vielen Studien die Rede und es konnte bereits häufig belegt werden, dass ein diverses Mikrobiom von Vorteil ist. Eine geringe Diversität wurde hingegen mit verschiedenen Krankheiten, wie zum Beispiel Übergewicht oder Durchfallerkrankungen, assoziiert.

 

Britta: Was sind typische Symptome einer aus der Balance geratenen Darmflora?

Barbara: Die typischen Symptome einer gestörten Darmflora sind Verdauungs-beschwerden wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen oder Blähbauch. Aber auch Beschwerden, die wir zunächst nicht mit unserem Darm in Verbindung bringen können hier ihre Ursache haben: Stoffwechselstörungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, Fettleber, Depressionen, Herz-Kreislauf-Probleme – die Liste ist lang. 

 

Britta: Ist davon auszugehen, dass wer unter Reizdarmsyndrom leidet auch eine gestörte Darmflora hat?

Barbara: Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Störung des Verdauungssystems. Gründe dafür können Probleme in der Verdauung und Absorption sein, z.B. aufgrund von Problemen mit Gallensäure. Oder eine gestörte Schutzbarriere deiner Darmschleimhaut (intestinale Permeabilität oder auch "leaky gut"), dein Mikrobiom, Entzündungen sowie dein Nervensystem. In deinem Darm befindet sich ein sogenanntes „zweites Gehirn“, das enterische Nervensystem, das über die Darm-Hirn-Achse in ständiger Kommunikation mit deinem Kopf steht. Bist du gestresst, regt dies eine Reihe verschiedener Kreisläufe an, die über die Darm-Hirn-Achse kommuniziert werden. So hat dein Mikrobiom durch Schäden in der Darmschleimhaut und durch Dysbalancen der Bakterien erheblichen Einfluss auf die Entstehung entzündlicher Prozesse in deinem Darm. 

 

Britta: Angenommen, die Bakterien in meiner Darmflora sind alles andere als ausgewogen, was würdest du mir empfehlen? 

Barbara: Wichtig wäre es das Mikrobiom genau unter die Lupe zu nehmen, um zu erfahren welche Bakterien zu viel und welche zu wenig vorhanden sind. Wenn man diese Schlüsselfaktoren erst einmal identifiziert hat, können gezielte Maßnahmen mit der Ernährung und Lebensstil eingeleitet werden. Mit den richtigen Nahrungsmitteln, können wir die richtigen Bakterien füttern und vermehren, sodass sie wieder für uns arbeiten.

 

Allgemein gesagt wirkt sich ein gesunder Lebensstil positiv auf unser Mikrobiom aus, wir fassen bei myBioma fünf Säulen eines gesunden Darm-Mikrobioms zusammen: Allen voran - die Ernährung. Dabei zählt nicht nur die Qualität unseres Essens, sondern vor allem wie wir essen. Hastiges Essen, kann unseren Darm stressen - wo wir gleich beim zweiten Punkt wären: Stress ist eine der Krankheitsursachen Nr. 1 in unserer Gesellschaft und auch unser Mikrobiom wird dadurch negativ beeinflusst. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regelmäßige Bewegung, welche unseren Darm aktiviert und das am besten an der frischen Luft. Ausreichend Schlaf tut unserem Mikrobiom ebenfalls gut. Als letztes sind noch Giftstoffe, wie Alkohol, Nikotin, Medikamente zu erwähnen, welche weitestgehend gemieden werden sollten.⁠

 

Britta: Wie lange dauert es deiner Erfahrung nach, die Darmflora wieder in Schwung zu bringen?

Barbara: Je nach Alter benötigt das Mikrobiom/die Darmflora 3-4 Monate, um sich 1x zu erneuern. Das ist lange und leider auch die durchschnittliche Länge, um seine Darmflora langfristig zu verändern. Drastische Veränderungen sieht man viel schneller. Die Umstellung von einer „Alles-Esser“- zu einer veganen Ernährung zum Beispiel kann man bereits innerhalb von rund 2 Wochen sehen.

Um die Darmflora nachhaltig in Schwung zu bekommen, sollte man aber mindestens 3 Monate einrechnen. Man könnte das dann auch mit einem weiteren Test überprüfen.

 

Britta: Wie wurdest du zur Darm-Mikrobiom-Enthusiastin, Barbara?

Barbara: Schon seit dem Gymnasium hat mich immer die kleinen Sachen und deren Konsequenzen interessiert. Ich wollte verstehen warum etwas ist. Daher habe auf für mein Diplomstudium Molekulare Biologie gewählt und dann in meiner Dissertation in Biochemie vertieft. Schon während meines Grundstudiums habe ich die Faszination für Bakterien und deren Funktionen entdeckt. Privat haben mit schon immer Themen interessiert, über die man nicht immer und vor allem nicht leicht fertig spricht. 

 

myBioma verbindet beides für mich. Das Mikrobiom und potenzielle Probleme mit dem Darm sind für viele Menschen ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Der Auslöser sind oftmals Bakterien. Die Bakterien zu verstehen ist daher für mich der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gesundheit.

Das ist doch auch das was jeder, oder zumindest ich möchte: So lange wie möglich gesund bleiben und die Fähigkeit zu haben alles zu machen was ich möchte.

 

Britta: Was ist die Mission eures Unternehmens myBioma? 

Barbara: Die Vision von myBioma ist es allen Menschen den Zugang zur modernsten Mikrobiom-Analyse zu ermöglichen und eine standardisierte Untersuchung des Darm-Mikrobioms nach den neusten wissenschaftlichen und technologischen Analysemethoden zu realisieren. 

 

Britta: Heute kann jeder von uns seinen Stuhl von MyBioma analysieren lassen. Was habt ihr als nächstes vor?

Barbara: Die Untersuchung des Mikrobioms mittels moderner Technologien hat noch nicht den Einzug in die Routine-Diagnostik gefunden, obwohl das Darm-Mikrobiom essentiell im Bereich der Präventikdiagnostik/medizin ist. Vieles wissen wir ganz einfach noch nicht und muss noch erforscht werden, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir bei myBioma möchten daher die Untersuchung des Darm-Mikrobioms mit den neuesten Technologien in die Routine-Diagnostik integrieren.  

 

Britta: Danke für deine Zeit, Barbara. Und dafür, dass du uns unser Mikrobiom näher bringst!


Liebe Leser, Barbara hat sehr interessante Themen angesprochen, über die du in diesen Beiträge auf meiner Webseite mehr lesen kannst: 

 

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