Was haben Lektine mit Reizdarm zu tun?

Reizdarm und Lektine

Die Wirkung von Lektinen auf den Reizdarm

Wenn Du bereits unter Reizdarmsyndrom leidest, ist dein Verdauungssystem anfällig für eine ganze Reihe an weiteren Störfaktoren. Dazu gehört in vielen Fällen auch die Unverträglichkeit von Lektinen. Diese können neben Verdauungsproblemen wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auch andere, grippeähnliche Symptome hevorrufen oder verstärken. 

Was sind Lektine?

Lektine sind Proteine, die in Pflanzen vorkommen und diese vor Pflanzenfressern schützen, indem sie nach dem Verzehr Vergiftungen und Verdauungsprobleme hervorrufen. Deshalb werden Pflanzen, die Lektine enthalten, von den meisten Tieren gemieden und können ungehindert wachsen.

Lektine binden sich an Kohlenhydrate und werden zusammen mit diesen in den Körper aufgenommen. Es gibt Lektine, die harmlos sind und vom Körper gut vertragen werden, und solche, die tendenziell Magen- und Darmbeschwerden verursachen können. Das sind vor allen Dingen Lektine, die sich sich an die Innenwände des Darms heften und die Funktion der dortigen Schleimhäute beeinträchtigen, indem sie die sonst dichten Verbindungen zwischen den Darmschleimhaut-Zellen lockern. Die Schutzbarriere des Darms wird durchlässig, was zu einem "leaky gut" führen kann. Das wiederum hat zur Folge, dass benötigte Nährstoffe schwerer und unzureichend aufgenommen werden können und dem Körper fehlen. Durch die durchlässig gewordene Schutzbarriere können sich Teile der Lektine im ganzen Körper verteilen.

Im Extremfall löst dies eine allergische Reaktionen aus und das Immunsystem fängt an, auf die Fremdkörper im Kreislauf zu reagieren. Der Körper greift aber nicht nur die Lektine an, sondern wehrt sich dabei auch gegen gesundes Gewebe. Die Folge können Reizdarmbeschwerden sein, nach Meinungen mancher Wissenschaftler und Ärzte sogar Zivilisations- und Autoimmunkrankheiten, wie zum Beispiel der Herzchirurg Steven R. Gundry herausgefunden haben will. Einen Beweis dafür gibt es jedoch nicht. In der Ernährungs-wissenschaft sind Lektine schon lange bekannt und gut erforscht. Weitgehend anerkannt ist jedoch, dass sie bei Menschen, die empfindlich auf Lektine reagieren, Verdauungsprobleme ähnlich einer Glutenunverträglichkeit hervorrufen können.

Wie finde ich heraus, welche Lektine ich nicht vertrage?

Lektine können bei Reizdarm Beschwerden verursachen

Zu den körperlichen Reaktionen gehören verschiedene Verdauungsprobleme wie etwa Aufstoßen, Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen oder Durchfall. Ein dauerhaftes Unwohlsein kann ebenfalls ein Zeichen für die Unverträglichkeiten von Lektinen sein. Die Auswirkungen von Lektinen in Lebensmitteln ist dann umso stärker, wenn der Darm wie bei Reizdarmbetroffenen sowieso schon angegriffen ist. Manche Menschen vertragen Lektine jedoch generell besser oder schlechter als andere, unabhängig vom Zustand ihres Darms.

 

Lektine sind leider in einer Vielzahl von pflanzlichen Lebensmitteln enthalten und es ist schwer, sie komplett zu vermeiden. Das ist meistens auch nicht notwendig, denn die überwiegende Anzahl von Lektinen ist für gesunde und für Menschen, die vom Reizdarmsyndrom betroffen sind, harmlos. Oft reicht es schon aus, die Zufuhr von Lektinen zu minimieren.

Wenn das nicht hilft, solltest du dir überlegen, eine Zeit lang auf sämtliche Lebensmittel zu verzichten, die Lektine enthalten. Werden deine Symptome dadurch besser, kannst du einzelne Sorten wieder probieren, um herauszufinden, welche Lebensmittel dir bekommen und welche nicht. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn deine Symptome zunächst deutlich reduziert sind, sonst kannst du keine Veränderung feststellen. Wenn du Lebensmittel identifizieren konntest, die du nicht gut verträgst, solltest du am besten dauerhaft auf sie verzichten. 

Lebensmittel mit hohem Lektingehalt

Zu den Lebensmitteln mit einem hohen lektingehalt, die möglichweise negative Wirkungen auf den Körper haben können, gehören unter anderem:

  • Verschiedene Getreidesorten. Vor allem Weizen enthält Lektine. Leider gilt dies auch für eine Reihe von glutenfreien Alternativen wie Mais, Hirse, Reis und Kartoffeln (mit Ausnahme von Süßkartoffeln).
  • Besonders stark ist das Vorkommen in Nachtschattengewächsen. Hierzu zählen Kartoffeln, Paprika, Tomaten und Auberginen.
  • Verschiedene Gewürzsorten wie Chili- oder Paprikapulver sind ebenfalls betroffen. 
  • Eier und Milch (vor allem die A1-Variante ist problematisch).
  • Hülsenfrüchte wie etwa Soja, Erdnüsse, Bohnen, Linsen und alle Erbsensorten.
  • Krustentiere und Meeresfrüchte (Fische sind dagegen unproblematisch).

Zwei Möglichkeiten die Menge an Lektinen in Nahrungsmitteln zu vermindern, ist es, diese zu fermentieren oder einzuweichen. Kochen und Erhitzen können die Menge an Lektinen vermindern, was ein Grund ist, warum wir Bohnen und Kartoffeln nicht roh essen, denn sie enthalten viele Lektine. Sprich auch mit deinem Arzt / deiner Ärztin über deine Symptome und lass dich beraten, wenn Du Dir unsicher bist.

 

Falls du selbst Erfahrungen mit dem Thema Lektine gemacht hast und diese teilen möchtest,  schreibe mir doch über das Kontaktformular. Ich freue mich über deine Nachricht.