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Was haben Lektine mit Reizdarm zu tun?

Lektine Reizdarm

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Frage, in wie weit Lektine schädlich für uns sind, ist umstritten. Ich stehe dem Hype um das Thema Lektine kritisch gegenüber, halte es aber durchaus für möglich, dass eine lektinarme Ernährung bei Reizdarm helfen kann. Denn wer einen Reizdarm hat, ist empfindlich gegenüber einer ganzen Reihe an Einflüssen und Störfaktoren, durchaus möglich, dass Lektine ebenfalls dazu gehören. 

Was machen Lektine in meinem Darm?

Es gibt nicht das eine Lektin, sondern eine ganze Familie von Lektinen. Lektine sind Proteinver-bindungen. Pflanzen produzieren Lektine, um sich vor Fressfreinden zu schützen. Sie lagern die Lektine in ihrer Schale, Samen oder Kernen ab. Wenn wir sie essen, passiert im Idealfall nichts. Sobald die Lektine in unseren Darm gelangen, hält unsere Darmschleimhaut sie davon ab, die Darmwand zu durchdringen und in den Blutkreislauf zu gelangen. 

Lektine und leaky gut (durchlässige Darmwand)

Um das zu schaffen, muss die Darmwand jedoch intakt sein. Das ist sie zum Beispiel dann nicht, wenn du ein "leaky gut", eine durchlässige Darmwand, hast. Das ist bei vielen Reizdarm Betroffenen der Fall. Mehr Infos zum Thema leaky gut findest du übrigens hier

Wenn Lektine durch eine geschädigte Darmwand in die Blutlaufbahn gelangen, heften sie sich an körpereigene Moleküle. Mit dem Lektin-Protein im Gepäck macht sich das Molekül verdächtig: Unser Immunsystem erkennt die körpereigene Struktur des Moleküls aufgrund des Lektins nicht mehr, stuft es als Eindringling ein und bekämpft es. In Folge entstehen Entzündungen, Allergien, Nahrungsmittelunver-träglichkeiten bis hin zu Autoimmunkrankheiten.  

 

Lektine verursachen angeblich nicht nur dann Beschwerden, wenn die Darmbarriere bereits geschädigt ist, sondern können auch eine durchlässigen Darmwand verursachen. Denn Lektine regen in unserem Darm die Produktion von Zonulin an. Zonulin ist ebenfalls ein Protein, und eine erhöhte Konzentration dieses Proteins in der Darmwand führt dazu, dass Lücken zwischen den Zellen der Darmwand entstehen - womit wir wieder beim leaky gut wären. Umso durchlässiger die Darmwand wird, umso höher die Gefahr, dass potenzielle Schadstoffe die Schleimhautbarriere überwinden. 

Lektinfreie Ernährung - was ist dran?

Das umstrittene Buch "Böses Gemüse" auf Amazon kaufen.

Der bekannteste und vehementeste Vertreter einer lektinfreien Ernährung ist der amerikanische Herzchirurg Dr. Gundry. In seinem Buch "Böses Gemüse" (im Original "The Plant Paradox") beschreibt der Arzt, wie er viele seiner Patienten vor Operationen am Herzen durch eine lektinfreie Ernährung bewahren konnte, und wie die Diät Adipositas und Diabetes geheilt habe. 

 

Ich finde das Buch sehr interessant, überzeugend und unterhaltsam geschrieben. Zumal sich vieles davon mit der Paleo-Therapie deckt, die meinem Reizdarm eindeutig gut getan hat. Trotzdem bin ich skeptisch, wenn eine Diät postuliert wird, die viele bisher als gesunde Nahrungsmittel als gefährlich einstuft und dauerhaft ausschließt. Ich denke, es macht immer Sinn, sich auch die Gegenstimmen anzuhören. Und diese machen mich stutzig, wie viel Wahrheitsgehalt in dem liegt, was Dr. Gundry über eine lektinfreie Ernährung festgestellt haben möchte.  


Es gibt es eine sehr große Anzahl von Lektinen, deren Verzehr sich sehr unterschiedlich auf unseren Körper auswirkt, was unter anderem von unserer Konstitution abhängt und wie empfindlich der Körper auf bestimmte Stoffe reagiert. Daher meine Meinung, dass es für die Darmsensibelchen und Reizdarm Betroffenen unter uns Sinn macht, sich mit dem Thema Lektine zu beschäftigen und eine lektinarme Diät auszuprobieren.

Eine gewisse Skepsis bleibt jedoch: Diejenigen Lektine, die von Dr. Gundry als schlecht bezeichnet werden, haben auch Vorteile für unsere Gesundheit, bei einigen gibt es sogar Hinweise darauf, dass sie vor Krebs schützen können. 

 

Nüsse zum Beispiel enthalten wertvolle Nährstoffe wie pflanzliches Protein, Omega-3 (entzündungshemmend), Vitamine, Mineralien, Folsäure und Magnesium. Damit schützen sie unser Herz und unsere Blutgefäße  und senken das Risiko für Diabetes und Krebs. Laut Dr. Gundry dagegen gehören unter anderem Nüsse eher zu den Verursachern eben solcher Krankheiten. 

Lektine - Liste der Lebensmittel mit hohem Lektingehalt

Eine Liste lektinreicher Lebensmittel zum kostenlosen Download

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Der Titel "Lektine"* kann dir dabei helfen herauszufinden, ob und welche Lektine du nicht verträgst. Das Buch enthält auch einen lektin-armen Ernährungsplan.


Gehören Lektine auf meinen Speiseplan oder nicht?

Wie bei so vielem ist die Menge entscheidend. Bei den meisten Lebensmitteln lassen sich die Lektine durch Kochen oder Fermentieren entweder deaktivieren oder zumindest stark reduzieren. Während der Genuss von rohen Bohnen zu Verdauungsbeschwerden bis hin zu Lebensmittelvergiftung führen kann, gilt das nicht für Bohnen, die gut gekocht wurden. Es ist eine von jeher bekannte Regeln, dass mann Hülsenfrüchte, Linsen und Kartoffeln vor dem Verzehr kochen sollte. Sie schmecken außerdem viel besser, wenn sie weichgekocht sind, anstatt wenn man sich die Zähne daran ausbeißen muss ;-)

Ein Fermentier-Rezept findest du hier im Blog. 

Meine persönliche Erfahrung mit Lektinen

Lektine Reizdarm

Ich habe mich im Rahmen der Paleo-Therapie lektinarm ernährt. Wie schon erwähnt hat mir die Paleo-Therapie geholfen, meine durchlässige Darmwand zu heilen. Dadurch haben sich meine Reizdarm Symptome reduziert. Ob das allein auf die lektinefreie Ernährung zurückzuführen ist, wage ich zu bezweifeln. 

 

In meiner alltäglichen Ernährung meide ich Getreide, weil ich empfindlich auf Kohlenhydrate reagiere. Je nach Menge rangieren meine Symptome zwischen starker Müdigkeit bis hin zu Blähungen. Das trifft auf einfache Kohlenhydrate (weiße Semmeln oder Brot, Nudeln, Pizza,...) verstärkt zu, und etwas weniger auf komplexere Kohlenhydrate (Quinoa, Vollkornprodukte,...). Laut der Theorie von Dr. Gundry müsste es genau andersrum sein. Übrigens habe ich die selben Probleme mit Hirse, die als lektinfrei gilt. Bei mir ist es der Zucker in den Kohlenhydraten, auf den ich reagiere.

 

Tomaten, Linsen und Bohnen - alles lektinhaltig - esse ich nur in kleinen Mengen. Erstere, weil sie viel Säure enthalten und ich zu Sodbrennen neige. Letzere, weil sie blähen. Trotzdem gehören sie, in kleinen Mengen, zu meinem festen Speiseplan. Nüsse dagegen esse ich täglich, im Joghurt zum Frühstück, als Nachmittags- oder Abendsnack. Auch diese immer nur in kleinen Mengen (dafür häufiger), weil mein Körper viel arbeiten muss, um sie zu verdauen.

Wie du selbst testen kannst, ob du empfindlich auf Lektine reagierst

Teste es selbst! Und so geht es: Vermeide Lektine für einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen und dokumentiere, ob/wie sich deine Beschwerden verändern. Bemerkst du keinen Unterschied, dann kannst du direkt alle Lebensmittel wieder in den Speiseplan aufnehmen. Werden deine Reizdarm Beschwerden weniger, heißt das trotzdem noch nicht, dass du nun dauerhaft auf lektinhaltige Lebensmittel verzichten musst.

 

Nutze ein Ernährungstagebuch, in dem du alle Nahrungsmittel und deine Symptome notierst. Klingt öde? Ist aber wichtig. Auf der Seite findest du ein Ernährungstagebuch, dass ich selbst designed habe - basierend auf meiner reichhaltigen Erfahrung mit dem Schreiben und der Auswertung von Ernährungstagebüchern. Nach den zwei Wochen kannst du anfangen, einzelne Nahrungsmittel wieder einzuführen. Am besten immer nur 1 Sorte (z.B. Tomaten) pro Tag (oder noch besser alle 2 Tage). Auch das hältst du in deinem Ernährungstagebuch fest, damit du Zusammenhänge zwischen den Nahrungsmitteln und deinen Reizdarm Symptomen feststellen kannst. Sollten die bekannten Symptome wie Blähungen oder Durchfall wieder auftreten, überprüfe nochmal genau, was du gegessen hast. Die in Frage kommenden Lebensmittel solltest du dann - gegebenenfalls dauerhaft - auslassen. So kannst du dich nach und nach an lektinhaltige Lebensmittel rantasten, und musst nicht dauerhaft auf alles verzichten. 

Mehr lesen über Lektine

  • Auf Immuntherapie.at findest du eine Zusammenfassung des Buches "Böses Gemüse" von Dr. Gundry. Die Autorin ist Ärztin. Die Bewertung fällt meiner Meinung nach etwas zu einseitig positiv aus. 
  • Im Gegenteil dazu fällt die Kritik an "The Plant Paradox" (Böses Gemüse) des Biochemiker, Ernährungsforscher und emeritierter Hochschulprofessors Dr. Campell sehr eindeutig negativ aus, und auch seine Argumente finde ich sehr überzeugend. 

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