Psychotherapie bei Reizdarm

Reizdarm Psychotherapie

Mit Psychotherapie zu mehr Lebensqualität

Für Betroffene, die schon lange unter Reizdarmsyndrom leiden, kann eine Psychotherapie sehr viel Sinn machen. Und zwar nicht deshalb, weil die Symptome eingebildet wären!

 

Im Gegenteil. Reizdarmsyndrom bringt reale Beschwerden wie zum Beispiel ständige Blähungen, häufiges Sodbrennen und Durchfall mit sich. Das kann die Lebensqualität und das Sozialleben gehörig einschränken.

 

Ich spreche aus eigener Erfahrung. In der Vergangenheit drehte sich mein Alltag oft um Fragen wie "Was habe ich jetzt wieder Falsches gegessen?", "Was, wenn ich unterwegs Durchfall bekomme?" oder "Was muss ich denn noch tun, damit die Reizdarm Symptome verschwinden?!" Meine Gedanken kreisten direkt oder indirekt ständig um das Befinden meines Reizdarms. 

 

Daraus entstand Traurigkeit darüber, nicht mehr am sozialen Leben teilzunehmen und Ängste, mein Leben nicht mehr im Griff zu haben. 

 

Weil Reizdarmsyndrom die Lebensqualität massiv einschränken kann, hat das Auswirkungen auf die Psyche. Der Stress, den die dadurch verursachten Ängste und Traurigkeit verursachen, verstärkt wiederum die Reizdarm Beschwerden. Ein Teufelskreis.

Für wen eignet sich eine Psychotherapie?

Wer eine Psychotherapie macht, ist noch lange nicht verrückt. Während in den USA nahezu jeder einen "shrink" aufsucht (was vielleicht auch etwas übertrieben ist), ist es bei uns ein Tabu, sich Hilfe eines Therapeuten zu suchen. Wer einen "Seelenklempner" braucht, tickt nicht ganz richtig.

 

Es braucht verdammt viel Mut und Motivation, um sich Hilfe durch einen Psychotherapeuten oder Psychiater zu suchen, und nur wenige sprechen darüber.

 

Was ja auch völlig in Ordnung ist, es ist ja nicht zwingend notwendig, persönliche Dinge mit seinem gesamten Umfeld zu teilen. Aber ein wenig mehr Normalität bei dem Thema wäre hilfreich.

 

Ich gehe zum Zahnarzt, weil ich Zahnschmerzen habe, zum Orthopäden, weil mein Rücken weh tut, und zum Psychotherapeuten, weil ich Hilfe mit meinem Reizdarm benötige. So einfach ist das. 

PSYCHOSOMATISCHE STÖRUNG - DER NICHT EINGEBILDETE SCHMERZ

Reizdarm Psychotherapie

Reizdarm und andere psychosomatische Krankheiten: Stärke zeigen und Schwächen eingestehen. Hier im Blog. 


Wann ist Psychotherapie hilfreich?

Hier zitiere ich von Webseiten, die sich dem Thema Psychotherapie widmen. Die genannten Gründe beziehen sich nicht nur oder nicht speziell auf Reizdarmsyndrom, gelten also auch für Menschen, die keine Reizdarmdiagnose haben.

 

Die Neurologen und Psychiater im Netz empfehlen, man solle einen Therapeuten aufsuchen:

  • "wenn Ängste und Sorgen das Leben bestimmen,  in manchen Lebenssituationen Beklemmung auftritt, man die Aktivitäten deswegen einschränkt oder diese nur noch unter großer Anstrengung und mit großen Ängsten ausübt,
  • wenn man länger unter Schlafstörungen oder körperlichen Beschwerden leidet, für die keine organische Ursache gefunden werden kann."

  

"Wann ist eine Psychotherapie notwendig?" beantwortet die PTK Bayern wie folgt

  • "Wenn man das Gefühl hat, überfordert zu sein und alleine nicht weiterzukommen, kann eine Psychotherapie angebracht sein. Auch wenn bestimmte Beschwerden vorliegen, können diese Hinweise auf eine ernst zu nehmende psychische Problematik oder Erkrankung sein, die durch eine psychotherapeutische Behandlung gelindert oder geheilt werden kann."
  • "Bei ständigem Ängstlichsein oder plötzlichen Angstanfällen, Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen, sollten Sie sich an eine/n Psychotherapeuten/in wenden."
  • "Auch die ständige Angst, krank zu sein, und immer wieder auftretende körperliche Beschwerden, für die kein Arzt eine hinreichende organische Ursache feststellen kann, sollten psychotherapeutisch abgeklärt werden."

 

Psychotherapiesuche.de schreibt zu der Frage "Wann ist eine Psychotherapie ratsam?":

 "Wer von seelischen Problemen geplagt wird und diese allein nicht bewältigen kann sollte sich ebenso wie bei körperlichen Erkrankungen nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen."  

Wie hilft Psychotherapie bei Reizdarm?

Ich habe in meinem Umfeld glücklicherweise mehrere Menschen, mit denen ich mich zu diesem Thema austauschen kann. Manche empfinden die Stunde pro Woche, die sie mit einem Psychotherapeuten verbringen, sehr angenehm. Weil es in dieser Stunde nur um einen selber geht, und sie selber reden dürfen. Wer Kinder hat, kann das vermutlich leicht nachvollziehen, denn dann geht es im Alltag selten um die eigenen Bedürfnisse.

 

Ich finde, Psychotherapie ist harte Arbeit und nicht immer angenehm. Denn nur wer sich seinen Problemen und Ängsten stellt kann sich mit Hilfe des Therapeuten Werkzeuge erarbeiten, um sie in den Griff zu bekommen.

 

Dass das funktioniert, habe ich schon nach wenigen Wochen festgestellt. Meine Reizdarm Symptome wurden weniger. Ich war nicht von einem Tag auf den anderen beschwerdefrei, und das ist auch eher unrealistisch. Mit egal welcher Therapie oder Medikament.  

 

Aber mir hat die Psychotherapie schon nach kurzer Zeit geholfen, den Fokus von Beschwerden meines Reizdarms wegzulenken und die kreisenden Fragen im Kopf zu stoppen. Die Therapie hat mir zu mehr Freiheit und Leichtigkeit verholfen, ich muss mich weniger einschränken - und so macht alles ganz einfach viel mehr Spaß! 

Psychotherapie als Hilfe bei Reizdarm in Anspruch nehmen

Sich nicht zu scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen - das ist ein wichtiger Satz. Und wie? 

 

Bei fast allen gesetzlichen Krankenkassen ist der Ablauf wie folgt:

  • Jeder kassenzugelassene psychologische Arzt oder Psychotherapeut bietet psychotherapeutische Sprechstunden an. Du vereinbarst eine solche Sprechstunde selbst mit dem jeweiligen Therapeuten. Es ist keine Überweisung vom Hausarzt oder ähnliches notwendig. In der Sprechstunde (in der Regel zwischen 25-50 Minuten) klärt der Therapeut mit dir, ob eine Therapie bei deinen Beschwerden (z.B. Reizdarmsyndrom) helfen kann. 
  • Empfiehlt der Therapeut eine psychotherapeutische Behandlung, gibt er dir das in schriftlicher Form mit. Mit dieser Empfehlung kannst du dir einen Therapeuten suchen. Das kann, muss aber nicht der selbe sein, bei dem du die Sprechstunde gemacht hast. 
  • Wenn du etwas Glück hast, kannst du bei dem Therapeuten bleiben, bei dem du die Sprechstunde besucht hast. Voraussetzung dafür ist, dass die Person Kapazitäten frei hat UND, dass die Chemie zwischen euch stimmt. Es ist vollkommen üblich, mehrere Therapeuten in sogenannten probatorischen Sitzungen zu testen. Pro Therapeut kann ich bis zu vier probatorische Sitzungen machen, bevor ich mich auf eine Therapie mit dieser Person festlege. Ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen ist extrem wichtig für den Therapieerfolg, und das kann oder mag man nicht mit jeder Person. Deshalb ruhig mit mehreren Therapeuten sprechen. 
  • Ich habe bei meiner Krankenkasse die Erfahrung gemacht, dass mein Ansprechpartner für das Thema Psychoterhapie eine sehr einfühlsame Person ist, die mich sehr bereitwillig und genau darüber aufgeklärt hat, was die Krankenkasse übernimmt und mich dazu ermuntert hat, diese Möglichkeiten auch wahrzunehmen. Also auch vor diesem Gespräch keine Scheu haben. 
  • Nicht immer ist es ganz einfach, einen Therapeuten zu finden, der freie Kapazitäten hat. Die Koordinationsstellen für Psychotherapie der kassenärztliche Vereinigungen (hier der Link zu der Koordinationsstelle für Bayern) helfen dabei. Sie bekommen die Infos über freie Kapazitäten direkt von den Psychotherapeuten. Für jede Region/Bundesland gibt es eine solche Vereinigung. 

Bei privaten Krankenkassen ist die Übernahme von Psychotherapie in dem jeweiligen Vertrag mit der Krankenkasse geregelt. Wer den Passus in dem umfangreichen Vertragswerk nicht findet (oder ihn unverständlich findet), sollte einfach mal bei der Krankenkasse anrufen und nachfragen. Hier ist es wichtig genau nachzufragen, ob es Voraussetzungen für die Übernahme der Therapie gibt, z.B. welche Ausbildung der Therapeut haben muss und ob und wann der Therapeut einen Antrag stellen muss. 

 

Noch Fragen? Du hast nichts zu verlieren. Im "schlimmsten" Fall sagt dir der Therapeut in der Sprechstunde, dass dir eine Psychotherapie nicht helfen kann. Auch dann hast du außer einer kleinen Zeitinvestition nichts verloren. Los geht's!

Mehr zum Thema Psyche, Psychosomatik und Lebensstil mit Reizdarm findest du hier. 

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