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Psychosomatische Störung - der nicht eingebildete Schmerz

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Reizdarmsyndrom als psychosomatische Störung anerkennen

Reizdarm gilt als psychosomatische Störung. Aber was bedeutet das? Sind die Reizdarmbeschwerden nur eingebildet?

 

Gestern in der Mittagspause kam das Thema psychosomatische Schmerzen auf, als einer meiner Kollegen von einem Bandscheibenvorfall erzählte. Und davon, dass es ihm zu der Zeit des Vorfalls insgesamt nicht gut gegangen sei, weil seine Beziehung in Scherben gegangen war. Mit der Physiotherapie, die ein paar Monate in Anspruch nahm, wurde nicht nur der Schmerz im Rücken sondern auch der Herzschmerz weniger. Der andere Kollege steuerte bei, dass sein Arzt ihm zu einer Schmerztherapie geraten habe, weil keine Ursache für seine Rückenschmerzen gefunden wurden. Dass der Arzt versucht habe herauszufinden, ob er unter Stress habe, mit der Vermutung, dass dies die Ursache seiner Beschwerden sein könne. 

 

Vorurteilsbehaftet wie ich bin, ging ich davon aus, dass Männer ungerne "Schwächen" eingestehen. Dieses Gespräch lehrte mich eines Besseren, denn das kam den Eingestehen von Schwächen schon sehr nahe. 

Dass körperliche Schmerzen eine psychische Ursache haben können, ist für viele Menschen unverständlich. Noch weniger verständlich ist es für die meisten, dass diese Schmerzen deshalb nicht eingebildet sind. Die Schmerzen sind tatsächlich vorhanden! Ob das Rückenschmerzen sind, oder Durchfall oder Sodbrennen - Fakt ist, der Körper meldet Schmerz. Dieser Schmerz wird aber nicht unbedingt (nur) dadurch ausgelöst, dass Lebensmittel nicht vertragen werden oder die Bandscheibe auf das Rückenmark drückt, sondern weil das Gehirn "Schmerz" meldet, wo keiner sein müsste. Schmerz bleibt trotzdem Schmerz.  

Reizdarm und andere psychosomatische Krankheiten: Stärke zeigen und Schwächen eingestehen

Bei Reizdarmsyndrom spielen psychische Faktoren häufig eine Rolle. Nicht nur die Therapie ist damit komplexer. Der eigentliche kritische Schritt ist schon die Erkenntnis, dass psychische Faktoren eine Rolle spielen: Die Trennung von der Freundin im Fall meines Kollegen. Hut ab, dass er dies offen zugegeben hat. Meistens tun wir das uns selbst gegenüber ungern. Oft ist der Zusammenhang auch nicht so klar. Wenn sich jetzt in diesem Augenblick mein Reizdarm durch Bauchschmerzen bemerkbar macht, muss das nichts mit meinem akuten Gefühlsleben zu tun haben. Aber vielleicht mit den Überstunden in den letzten Wochen, den Abgabeterminen, aber auch mit den zu vielen  Abendverab-redungen, dem wenigen Schlaf, dem Streit mit dem Partner,... 

 

Einen Zusammenhang herzustellen zwischen unserem geistigen und körperlichen Befinden bedeutet nicht "Schwäche" zu zeigen, sondern ist ein Zeichen von Reflektion. Von Verbundenheit mit dem Körper, weil man die Signale des Körpers wahrnimmt, beachtet und - hoffentlich - darauf hört. Stark sein, ob Mann oder Frau, bedeutet eben auch mit den eigenen Schwächen umzugehen zu lernen. 


Expertenmeinung

"Psychosomatische Beschwerden sind nicht eingebildet!"

"Wichtig für das Verständnis von psychosomatischen Erkrankungen ist: Die Beschwerden sind nicht „eingebildet“, sondern tatsächlich vorhanden und mitunter sehr belastend. Ungeschickte Aussagen wie „Ihnen fehlt nichts“ wecken bei den Patienten das Gefühl, mit ihrer Wahrnehmung stimme etwas nicht." schreibt der leading medicine guide.

Auf der Seite findest du außerdem knappe und gut verständliche Informationen über die Entstehung und Behandlung von psychosomatischen Krankheiten.



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