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Depression und Reizdarmsyndrom

Depression als Ursache von Reizdarmsyndrom

Als meine Therapeutin das erste Mal die Diagnose "Depression" ausgesprochen hat, bin ich aus allen Wolken gefallen. "Ich habe doch nur einen Reizdarm!", dachte ich.  

 

Man ignoriert Dinge, die einem nicht zusagen und die man nicht versteht. Eine Depression sagt wohl niemandem zu. Vermutlich wissen Viele wie ich selbst gar nicht nicht was eine Depression eigentlich ist und wie sie sich äußert. "Eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessensverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, sind mögliche Anzeichen einer Depression" lautet die Beschreibung bei Neurologen und Psychiatern im Netz. 

 

Mehr als die Hälfte der Menschen, mit denen ich spreche, kann mit meiner Diagnose "Depression" oder "depressive Störung" nichts anfangen. Sie sagen dann zum Beispiel "Ich bin doch auch manchmal traurig" oder "Mir geht es heute auch nicht so gut" oder "Ich schlafe in letzter Zeit auch nicht gut, kommt schon mal vor". Diese Reaktionen sind nicht böse gemeint, im Gegenteil, aber sie sind nicht nur nicht hilfreich, sondern zeigt außerdem das Unwissen, das zu dem Thema herrscht. Ich würde mir wünschen, dass wir offener mit dem Thema umgehen, es nicht als Schwäche interpretieren, wenn jemand über eine psychische Krankheit offen spricht, denn in Wahrheit braucht es dazu viel Mut. Ich glaube, vielen Menschen wäre geholfen, wenn wir in unserer Gesellschaft mehr darüber sprechen würden, denn dann würde so manches körperliche Leiden, seien es Magen- und Darmbeschwerden oder Kopfschmerzen und Migräne, schneller als psychisches Leiden erkannt werden. 

 

Einige Reaktionen haben mich aber auch positiv überrascht. Gerade Menschen, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie mit der Krankheit etwas anfangen können, haben mir Verständnis entgegen gebracht. Sie hatten entweder selbst Erfahrungen mit psychischen Problemen oder kennen andere Menschen, die davon betroffen sind. 

 

Depression ist eine Krankheit, die nicht leicht zu erkennen und noch weniger leicht zu verstehen ist. Man sieht und hört sie nicht. Ich habe einige Wochen gebraucht, bis ich die Diagnose akzeptiert habe. Es hat gedauert, bis mir bewusst wurde, wie viele meiner Probleme ich mir durch die Magen- und Darmbeschwerden erklärt hatte, und die nun durch die Diagnose eine neue Erklärung bekamen: Schlafstörungen, Unkonzentriertheit, das niedrige Energielevel, und dass ich mich immer weiter zurückgezogen habe, weniger mit Freunden unternahm, weil es mir nicht gut ging und ich das Gefühl hatte, keine Leute um mich haben zu wollen. Das bedeutet nicht, dass ich mir die Schmerzen, den Durchfall, die Übelkeit eingebildet habe, sondern dass die Ursache eben nicht oder zumindest nicht nur im Darm liegt. 


Diese Bücher* haben mir persönlich geholfen, die Krankheit besser zu verstehen*

Den Titel "Mittendrin und nicht dabei" habe ich gebraucht auf Amazon gekauft, denn der Titel scheint vergriffen zu sein. Das Buch beinhaltet den Briefwechsel zwischen zwei realen Personen, die aufgrund ihres Berufs viel in der Öffentlichkeit stehen. Beide leiden unter Depressionen. Ich kannte die Autoren nicht, ich wollte einfach mehr über die Krankheit erfahren. Und fand es unglaublich interessant, wie in dem Briefwechsel deutlich wird, wie unterschiedlich die Symptome einer Depression und die Art und Weise mit der Krankheit umzugehen sein können. Mich hat das Buch sehr berührt, und gleichzeitig optimistisch gestimmt, dass ich den richtigen Weg für mich finde. 

"Mein schwarzer Hund" von Matthew Johnstone ist kein klassisches Selbsthilfebuch, sondern ein Bilderbuch, dass mir geholfen hat zu verstehen, was da in mir passiert. Wie einem "der schwarze Hund" die schönsten Dinge kaputt machen kann, das Gefühl des eingefroren seins in einem Eiswürfel, und wie "der schwarze Hund" sich hinter dem Autor ins Büro drängen möchte - all das kam mir so bekannt vor, ohne dass ich dafür Worte hätte finden können. Die Bilder und kurzen Sätze lassen genug Freiraum, um die Kernaussage auf die eigene Situation (oder die eines Freundes oder Familienmitgliedes) zu beziehen. 


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