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Depressiv?! Ich habe doch nur einen Reizdarm

Depressionen und Reizdarmsyndrom

Depression - diese Diagnose hat mich völlig überrumpelt. Ich hatte die Therapeutin aufgesucht, weil ich Reizdarmsyndrom habe und mir bewusst war, dass mein Reizdarm einen psychosomatischen Aspekt hat. Wenn ich aufgeregt bin, sei es vor einer Präsentation, einem Vorstellungsgespräch, oder weil ich am nächsten Tag in den Urlaub fliege, werden meine Reizdarmsymptome Blähungen und Bauchschmerzen wesentlich schlimmer. Bin ich gestresst, bekomme ich (manchmal erst Stunden später, wenn ich wieder entspannter bin) Sodbrennen oder Magenschmerzen. Gefühle, positiv oder negativ, haben einen im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagenden Effekt auf meinen Magen und Darm. 

 

Und nun saß ich da mit meiner Therapeutin, und schon in der zweiten Sitzung kam das Thema Depression auf. Meine Symptome waren eindeutig. Mein Energielevel wurde niedriger und niedriger, und ich fühlte mich überfordert mit Dingen, die ich früher mit Links geschafft habe. Noch schlimmer ist die Freudlosigkeit, die sich eingeschlichen hat. Ich kann mich an viele Situationen erinnern, in denen ich dachte, wie schön dieser Moment jetzt eigentlich ist, aber ganz einfach nichts fühlte. Als würde mein Gehirn die Situation wahrnehmen, aber mein Herz nicht. Ich fühle mich oft leer. Ich dachte mir, ich habe einen schlechten Tag, wer kennt das nicht? Wenn ich zurückblicke, hatte ich in den letzten 12 Monaten sehr viele schlechte Tage, ohne dies auf externe Faktoren zurückführen zu können. Mein Leben ist schön, denkt mein Gehirn. Warum fühlt es sich dann so leer an? 

 

Ich habe Schlafstörungen, die immer schlimmer geworden sind, am Tiefpunkt waren es nur noch 2-3 Stunden Schlaf pro Nacht. Klar war ich am nächsten Tag nicht mehr denkfähig. Ich konnte mich nicht konzentrieren, fühlte mich wie von einem Wattebausch eingehüllt. Aber auch an "besseren" Tagen, wenn ich mal 5-6 Stunden Schlaf bekommen hatte, fühlte ich mich, als seien meine Konzentration und Denkleistung nachhaltig zurückgegangen.

 

Warum hatte ich nicht gemerkt, dass was nicht stimmte? Warum hatten meine Ärzte nichts bemerkt?  Mir war es schon monatelang schlecht gegangen, aber ich führte das alles allein auf meine Darmprobleme zurück, und nur die habe ich behandeln lassen. Nachdem ich meine durchlässige Darmwand geheilt habe, wurden meine Reizdarmsymptome besser, ich hatte weniger Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Das war gut, aber die Leere blieb, und die Schlafstörungen auch. 

Löst Reizdarm Depressionen aus, oder verursachen Depressionen Reizdarm?

Ich habe viel über Depressionen gelernt in den letzten Wochen, und weiß im Grunde immer noch sehr wenig: Dass es mehrere Faktoren gibt, die eine Depression verursachen. Depressionen sind vererbbar, sie sind Veranlagung, es kann auslösende Momente geben, aber auch eine ständige Überforderung des Körpers und des Geistes spielen eine Rolle. Ist es nun der Reizdarm, der die Depression ausgelöst hat, oder die Depression den Reizdarm? Zu dieser Frage wird viel geforscht. Sicher ist, dass viele Menschen mit Magen- und Darmproblemen auch unter Depressionen leiden. Und dass dies ein Thema ist, das mich in den nächsten Monaten weiterhin beschäftigen wird und worüber ich in meinem Blog und meiner Website berichten werde. Denn ich glaube, wenn wir mit dem Thema offener umgehen, werden Betroffene wie ich früher erkennen, dass eine Psychotherapie ihnen helfen kann. 

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