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"Signalstörungen" bei Reizdarmsyndrom

Serotonin als mögliche Ursache von Reizdarmsyndrom

Der Darm wird auch als "zweites Gehirn" oder "Bauchhirn" bezeichnet, weil der Magen- und Darm-Trakt aus mehr als 100 Millionen Neurotransmittern, oder auch Botenstoffen, besteht. Und während sich Nahrung stromabwärts durch den Magen, Dünndarm und Dickdarm bewegt, bewegen sich Nervensignale stromaufwärts zum Gehirn. 

 

Zu den Botenstoffen gehört zum Beispiel Serotonin, das aufgrund seiner positiven Wirkungen auf unsere Stimmungslage auch als „Glückshormon“ bekannt ist. Über 90% des Serotonins werden im Darm produziert. 

Was bedeutet das für Reizdarm-Patienten?

Forscher der Canadian Society of Intestinal Research gehen davon aus, dass Veränderungen der Signalübertragung zwischen Darm und Gehirn durch Serotonin verantwortlich sein können für Reizdarm-Symptome. 

 

Serotonin spielt eine große Rolle für der Schmerzempfindlichkeit des Darms und so kann die gestörte Signalübertragung zu einer Überempfindlichkeit der Schmerzrezeptoren führen. Als Beispiel dafür kann die natürlich Darmausdehnung nach einer Mahlzeit bei Reizdarm-Betroffenen schon Schmerzen verursachen.

 

Serotonin beeinflusst auch die Abgabe von Flüssigkeiten der Zellen im Darm, was sich auf die Konsistenz des Stuhls auswirkt. In dem Artikel über “The Brain Gut Connection in IBS” wird beschrieben, dass der Serotoninspiegel von Reizdarm-Betroffenen, die unter Durchfall leiden, nach einer Mahlzeit höher liegt als beim Durchschnitt, während Patienten, die an Verstopfung leiden, unterdurchschnittliche hohe Serotoninwerte aufweisen. 

Wie können wir dieses Wissen im Alltag nutzen?

Wir können unseren Serotoninspiegel und damit die Kommunikation zwischen unserem Gehirn und dem Darm durch unser Verhalten im Alltag beeinflussen:

  • Stress reduzieren: Gedanken und Gefühle haben durch die oben beschriebene direkte Kommunikation zwischen Gehirn und Darm einen großen Einfluss auf Veränderungen im Darm, die Durchfall, Verstopfungen, Blähungen oder Magenkrämpfe zur Folge haben können. Durch Entspannungsübungen wie zum Bespiel Yoga oder Meditation können wir aktiv daran arbeiten, Stress zu reduzieren und das innere Gleichgewicht zu unterstützen. 
  • Die Entscheidung, wie und welche Lebensmittel wir essen hat Auswirkungen auf den Darm, und so kann es helfen kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen und auf den Gehalt von fodmaps zu achten. 

Medikamente, die den Serotoninspiegel beeinflussen

Fast alle Medikamente, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, haben auch Auswirkungen auf den Magen- und Darmtrakt. Sie verändern den Serotoninspiegel und wirken an den selben Rezeptoren im Gehirn, wie sie auch im Darm vorhanden sind. "Nebenwirkungen" von Stimmungsaufhellern sind häufig Verstopfung oder Durchfall, Übelkeit oder Blähungen.

 

Mit diesem Wissen können Medikamente zur Behandlungen von Depressionen erfolgreich zur Behandlung von Reizdarm eingesetzt werden. 

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