Was ist Reizdarm?

Was ist Reizdarm?

Was ist Reizdarmsyndrom?

Was ist Reizdarm eigentlich? Reizdarmsyndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Verdauung stehen und für die keine organische Ursache gefunden werden kann. Rund ein Viertel der Bevölkerung leidet unter solchen Magen- und Darmproblemen.

 

Man geht davon aus, dass 10-15% der Beschwerden als Reizdarmsyndrom einzustufen sind. Laut des BARMER-Ärzetreports haben 2017 allein eine Million Menschen in Deutschland die Diagnose Reizdarmsyndrom erhalten. 

Warum Reizdarm ein Syndrom ist

Ein "Syndrom" ist eine Kombination von verschiedenen Symptomen und Befunden, die meistens zusammen auftreten und von denen man ausgeht, dass sie eine gemeinsame Ursache haben.

 

Weil bislang keine konkrete oder DIE EINE Ursache für Reizdarm gefunden wurde, wird mit der Bezeichnung "Syndrom" eine grobe, vorläufige diagnostische Zuordnung erstellt. Das bedeutet im Klartext, dass "Reizdarmsyndrom" keine eigenständige Krankheit ist, sondern ein Oberbegriff für eine ganze Reihe an typischen (und weniger typischen) Symptomen  

Reizdarm ist eine unsichtbare Krankheit

"Aber du siehst gar nicht krank aus...". Reizdarm ist unsichtbar, und das Thema Darm und Verdauung nach wie vor ein Tabu. Im Blog findest du mehr über unsichtbare Darmerkrankungen



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Ich habe viel Erfahrung mit Reizdarm und dem Führen von Ernährungstagebüchern und habe nützliche Infos und Tipps auf 14 Doppel-Seiten zusammengefasst. 


Reizdarm - was ist das?

Was ist Reizdarm?

Schulmedizinisch gesehen ist Reizdarm eine "funktionelle Verdauungsstörung". Heißt: Es besteht keine organische oder biochemische Ursache für die Beschwerden.

 

Das ist erstmal eine gute Nachricht. Um zu dieser Diagnose zu kommen, müssen Ärzte ausgiebige Untersuchungen durchführen. Sie sind notwendig, um sicherzugehen, dass du keine schwerwiegende Krankheit hast, die mit ähnlichen Symptomen einhergeht wie Reizdarmsyndrom. 

 

Bei funktionellen Störungen wie Reizdarmsyndrom funktionieren verschiedene Abläufe im Körper nicht so reibungslos, wie sie sollten. Gründe dafür können sein,

  • dass Muskeln, die für die die Zerkleinerung der Nahrung zuständig sind, verlangsamt arbeiten.
  • Pder dass Nerven im Magen oder Darm überempfindlich sind und Abläufe, die für andere Menschen gar nicht oder nur wenig spürbar sind, von Reizdarm Betroffenen als schmerzhaft empfunden werden.
Was ist Reizdarmsyndrom

Immer mehr Ärzte und Ernährungsexperten gehen davon aus, dass Reizdarm Symptome zumindest teilweise körperliche Ursache haben, und zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder eine geschädigte Darmwand (leaky gut) hinter den Reizdarm Symptomen stecken. 

 

Ich finde, das ist ein Henne-Ei-Problem: Nahrungsmittelintoleranzen und leaky gut können sowohl die Ursache als auch die Folge von Reizdarms sein.

 

Und um es noch ein wenig komplizierter zu machen, spielen auch psychische Faktoren bei Reizdarm eine große Rolle.

 

Bei Reizdarm kommen in der Regel mehrere Faktoren zusammen:

  • die Empfindlichkeit des Verdauungsapparats
  • niedrige Stressresistenz
  • niedrige Toleranzgrenzen für bestimmte Nahrungsmittel

Wer Reizdarmsyndrom hat, ist ein echtes "Darmsensibelchen". 


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Reizdarm: Psychosomatisch ist nicht gleich eingebildet!

Reizdarmsyndrom wird als psychosomatische Krankheit bezeichnet. Viele setzen dies mit "eingebildet" oder "es passiert alles nur im Kopf" gleich. Das ist falsch, und entspricht nicht der Bedeutung von "psychosomatisch".

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Reizdarm Symptome wie Durchfall oder Blähungen höchst real sind und die Lebensqualität massiv einschränken können.

 

Psychosomatisch bedeutet, dass psychische Faktoren (zum Beispiel Stress) Teil der Ursache der Beschwerden sind. In dem Abschnitt Reizdarm und Psyche erfährst du mehr über das Thema. 

Was ist Reizmagen?

Was ist der Unterschied zwischen Reizmagen und Reizdarm? Ich verwende die beiden Begriffe gleichbedeutend, beziehungsweise fasse sie unter "Reizdarm" zusammen.

 

Denn genau wie "Reizdarmsyndrom" bezieht sich "Reizmagensyndrom" auf eine Gruppe körperlicher Beschwerden im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt, für die keine genaue Ursache bekannt ist.

 

Diese Beschwerden fokussieren sich bei Reizmagen eher auf den Oberbauch, mit Symptomen wie Aufstoßen, Blähgefühl und Blähbauch, Übelkeit und Sodbrennen. Das sind Symptome, die ich genauso für klassische Reizdarm Symptome halte. 

 

Bei mir ist es außerdem so, dass manche Beschwerden, die sich zunächst im Oberbauch oder Magen bemerkbar machen, früher oder später in meinen Darm weiterwandern.

 

Habe ich zum Beispiel viel Luft im Bauch und muss häufig aufstoßen, wandert die Luft später in meinen Darm und sorgt dort für Blähungen.

Habe ich einen Reizdarm?

Jeder von uns kennt das: Eine Prüfung steht bevor, ein wichtiger Termin, oder vielleicht ein erstes, aufregendes Date. Etwas liegt uns schwer im Magen, oder wir haben Schmetterlinge im Bauch.

 

Ein nervöser Magen und Darm machen sich häufig durch Übelkeit, Blähungen oder Durchfall bemerkbar. Nervöse Verdauungsbeschwerden sind kein Grund zur Sorge, und auch nicht gleichbeutend mit Reizdarmsyndrom.

 

Oft vergehen die Symptome wieder, wenn die Situation vorüber ist. Auch wenn das schon mal länger dauern kann, wie zum Beispiel in einer Prüfungsphase, bei Problemen im Job oder in der Beziehung.

 

Dass sich in solchen Phasen der Magen und Darm melden, ist weder ungewöhnlich noch besorgniserregend. Bei akuten Symptomen kannst du auf diese Heilmittel und Medikamente für den Darm zurückgreifen, die ich auch für Reizdarm empfehle. Sie sind aber nur zur kurzfristigen Behandlung gedacht. 

Ab wann spricht man nicht mehr von einem nervösen Darm, sondern von Reizdarmsyndrom?

 

Die Symptome, Durchfall, Blähungen und allgemeine Verdauungsbeschwerden sind bei Reizdarm sehr ähnlich.

 

 

 

Zum Arzt gehen solltest du, wenn

  • die Beschwerden über einen längeren Zeitraum auftreten, also über die stressige Phase hinaus und/oder
  • wenn dich die Beschwerden sehr belasten.

Typische Anzeichen für Reizdarm

Was ist Reizdarm?

Ärzte diagnostizieren Reizdarm und Reizmagen anhand der sogenannten "Rom-Kriterien", die von internationalen medizinischen Gesellschaften festgelegt wurden. Aktuell gilt die Version IV der Rom-Kriterien.

 

Für die Nerds unter uns: Du findest Reizdarm unter der Klassifikation K58 ;-). Für alle anderen lautet meine knappe, sinngemäße Zusammenfassung der Rom-Kriterien zur Diagnose von Reizdarmsyndrom wie folgt:

  • Beschwerden wie Blähungen, Durchfall, Verstopfungen, Übelkeit, Bauchschmerzen oder Sodbrennen sind innerhalb der letzten drei Monate mindestens einmal die Woche aufgetreten, und deren erstes Auftreten liegt mindestens sechs Monate zurück
  • Die Beschwerden treten vor allen Dingen im Zusammenhang mit Stress auf oder werden dadurch zumindest schlimmer
  • Die Reizdarm Symptome verschwinden oder bessern sich deutlich nach dem Stuhlgang
  • Zu den Symptomen kann gehören, dass du ein schnelles Völlegefühl beim Essen hast. Mir geht es oft so, dass ich riesigen Hunger habe, und sich mein Bauch dann schon nach den ersten Bissen sehr voll anfühlt.
  • Leidest du unter häufigem Aufstoßen und Luft im Oberbauch?
  • Häufige Stuhlgänge bis hin zu Durchfall (hier lautet die Devise: Durchfall bedeutet, mehr als drei Stuhlgänge pro Tag) können Anzeichen für Reizdarm sein
  • oder aber Verstopfungen (weniger als drei Stuhlgänge pro Woche)
  • Eine deutlich veränderte Stuhlkonsistenz (z.B. sehr weich bis flüssig, oder sehr hart) kann auf Reizdarm hinweisen
  • oder ein veränderter Stuhlgang, z.B. starkes Pressen notwendig, oder plötzlicher Stuhldrang oder das Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang
  • ein schleimiger Stuhl kann auf Reizdarm (und ungenügende Verdauung) hindeuten
  • Viele Reizdarm Betroffenen leiden außerdem unter Beschwerden wie Müdigkeit, Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Auch wenn nicht direkt dem Magen- und Darm zugeordnet werden, hängen solche Symptome häufig mit dem Verdauungstrakt zusammen. Siehe dazu meinen Artikel über Fibromyalgie

Reizdarm Diagnose

Es gibt keinen einfachen Test zur Diagnose von Reizdarmsyndrom. Denn die meisten Tests konzentrieren sich auf die Erkennung von Infektionen oder Abweichungen der Anatomie des Körpers.

 

Labortests, Röntgen und Spiegelungen zielen darauf ab, strukturelle Probleme zu erkennen. Diese Methoden greifen also nicht, wenn wie bei den meisten Reizdarm Betroffenen ein komplexes Geschehen aus körperlichen und psychologischen Faktoren zusammenkommt.


Das macht die Diagnose von Reizdarm zur Ausschlussdiagnose: Reizdarmsyndrom wird dann diagnostiziert, wenn keine andere Ursache gefunden werden kann. 

 

Falls du im Internet oder in einem Drogeriemarkt auf einen vermeintlichen Reizdarm-Test stoßen solltest, ignoriere ihn! Keiner dieser Tests kann die Komplexität der Zusammenhänge in deinem Körper erfassen.  

Untersuchungen für die Reizdarm Diagnose

Die Diagnose "Reizdarmsyndrom" setzt voraus, dass die Symptome nicht durch strukturelle oder biochemische Veränderungen in deinem Körper erklärt werden können. Deshalb müssen Ärzte erst einmal eine Reihe von  Untersuchungen machen, bis sie die Diagnose Reizdarm oder Reizmagen stellen.

 

Zu den Standarduntersuchungen zählen:

  • ein Ultraschallbild
  • ein Blutbild
  • gegebenenfalls auch Magen- und Darmspiegelung (fies, ich weiß)
  • ein Blutbild
  • ganz wichtig: die Analyse des Stuhls.

Die Stuhlprobe sollte bei jedem Arzt dazu gehören, und falls nicht, frag danach. Denn an einer Stuhlprobe lässt sich erkennen, ob du Blut im Stuhl hast (was nicht immer sichtbar ist, und dann als "okkultes Blut" bezeichnet wird) und wie es um deine Darmflora bestellt ist. Bei den meisten Reizdarm Betroffenen ist die Darmflora gestört. 

  

Du solltest dich auch auf Allergien, Zöliakie, Weizenunverträglichkeit, Helicobacter pylori, Laktose- oder Fruktoseintoleranz testen lassen. Manche dieser Tests musst du leider aus eigener Tasche zahlen. Wäre aber blöd, wenn du auf die Tests verzichtet und viel später rauskommt, dass du keinen Reizdarm sondern "nur" eine Fruktoseintoleranz hast, oder?

Was ist Reizdarm?

Reizdarm Symptome sind sehr individuell und kein Patient ist mit einem anderen vergleichbar. Links die Grafik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage, was für Magen- und Darmprobleme oder Verdauungsprobleme die Befragten haben (Quelle: Statista). Das macht die Reizdarm Diagnose noch schwerer. 

Diagnose Reizdarm - was nun?

Mit der Diagnose Reizdarm sind die Betroffenen weitgehend auf sich selbst gestellt. Auch das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

 

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Untersuchungen machen lassen, mit dem immer selben Ergebnis "Reizdarmsyndrom". Mal wurde die Diagnose in einem Unterton gestellt, der mir klar machen sollte, dass dies nun wirklich keine schlimme Krankheit sei (stimmt!), oder mit einem mitleidigen Blick, weil es für Reizdarm nun mal keine einheitliche, anerkannte Behandlungs- und Heilmethode gibt (stimmt auch).

 

Was nicht bedeutet, dass du nichts gegen deinen Reizdarm tun könntest. Im Gegenteil, nach der Diagnose fängt deine eigentlich Arbeit erst an!

Was tun gegen Reizdarm?

Was ist Reizdarm?
Mit Reizdarm leben

Reizdarm ist behandelbar. Aber dafür musst du selber aktiv werden! Es gibt keine Wunderpille gegen Reizdarmsyndrom. Eine Standardtherapie ist bei einer Erkrankung, für die es so viele verschiedene Ursachen gibt, nicht möglich.

 

Sowohl die Ursache für deinen Reizdarm als auch die Behandlung sind individuell. Was dem einen hilft, hilft dem anderen nicht oder wenig. Was nicht heißt, dass wir nicht voneinander lernen können. 

Auf dieser Webseite findest du meine gesammelte Erfahrung aus 20 Jahren mit Reizdarm, sowie die Erfahrungen anderer Leser dieser Webseite. Was uns geholfen hat, aber auch was nicht geholfen hat, denn das könnte ja dir wiederum helfen. Du findest hier Beispiele dafür, wie andere Betroffenen mit ihrem Reizdarm leben. Ausprobieren und für herausfinden, was dir hilft, musst du selbst!

Leben OHNE Reizdarm - vielleicht ist das für dich nicht möglich. Aber ein sehr verträgliches Leben MIT deinem Reizdarm, das kannst du schaffen! 

 

Auf der Seite Reizdarm behandeln findest du konkrete Tipps und Informationen, wie du das anstellen kannst. 


Deine Erfahrung mit Reizdarm teilen

Du weißt selbst schon eine Menge über Reizdarm und möchtest teilen, was dir in deinem Leben mit Reizdarm hilft? Dann bist du herzlich zum Mitschreiben eingeladen!

 

Mit jedem weiteren "Reizdarmexperten", der oder die seine Erfahrung teilt, steigen die Chancen, dass für die Leser dieser Webseite das Richtige dabei ist.  

Teile deine Erfahrungen unten über das Kommentarfeld oder schreibe mir an britta@lebenmitreizdarm.de. 

Reizdarm Medikamente und Hausmittel

Es gibt Situationen, in dem schnelle Abhilfe bei akutem Durchfall oder Bauchschmerzen nötig ist. Auf der Seite über Medikamente gegen Reizdarm Beschwerden findest du (Haus)Mittel, die mir bei Reizdarm Beschwerden helfen. Ich nehme sie, wenn ich zum Beispiel bei der Arbeit bin und mir nicht mal so einfach eine Auszeit nehmen kann oder ich doch mit Freunden ausgehen möchte, anstatt mit Durchfall zu Hause zu sitzen.